Politik : Botschafts-Eröffnung: Wien und Berlin legen Streitigkeiten bei

Hermann Rudolph

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer und seine österreichische Kollegin Benita Ferrero-Waldner haben die Verstimmungen zwischen den beiden Ländern ausgeräumt. Bei der Eröffnung der neuen österreichischen Botschaft in Berlin sparten beide das strittige Thema der EU-Sanktionen gegen Österreich, die der Anlass dafür gewesen waren, demonstrativ aus und hoben die gegenseitigen guten Beziehungen hervor. Der deutsche Außenminister sprach seine Kollegin mit "liebe Benita" an und revanchierte sich damit für deren persönliche Anrede auf einer vorhergehenden Pressekonferenz. Beide hatten am Vormittag ein 50-minütiges Arbeitsgespräch im Auswärtigen Amt geführt, bei dem die Entschlossenheit zur gemeinsamen Arbeit für Europa im Mittelpunkt gestanden hatte.

Die gemeinsame europäische Orientierung bestimmte auch die Reden zur Eröffnung der Botschaft. Fischer hob das Interesse an einer "zügigen" Ost-Erweiterung hervor, Frau Ferrero-Waldner die "starke Gemeinsamkeit" der auf Europa gerichteten Politik beider Länder. Auch der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil, der der Eröffnung beiwohnte, erwähnte nachdrücklich Europa, allerdings vor allem mit dem Bezug auf Berlin, das durch Geschichte und Gegenwart berufen sei, einen besonderen Beitrag zu dessen Einigung zu leisten.

Das entspannte Klima zwischen beiden Ländern fand seine Entsprechung auch in der gelösten Stimmung des Festakts. Fischer nannte die Botschaft die "casa austria" in Berlin und registrierte vergnügt die Farbe - "mir gefällt das Grün in diesem Raum" - des Empfangssaals. Die österreichischen Sprecher hoben Rang und Platz der Botschaft hervor. Klestil sagte, der Bau des österreichischen Architekten Hans Hollein stehe einerseits für "Kontinuität", denn er befinde sich fast am Platz der Vorkriegs-Botschaft, andererseits sei er ein Zeichen "für ein neues und weltoffenes Österreich". Botschafter Markus Lutterotti erinnerte an den Hitler-Attentäter Claus Graf Stauffenberg, nach dem nun die Straße genannt ist, an der die Botschaft liegt. Mit der Lage im Diplomatenviertel, in der Nähe deutscher Landesvertretungen und des Kulturforums fühle sich Österreich gut platziert.

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