Politik : Bouteflika in Deutschland: Mit Wirtschaftshilfe gegen den Fundamentalismus

Robert von Rimscha

Die "Aura des Außergewöhnlichen" umgebe den Besuch von Abdelaziz Bouteflika in Deutschland, meint Bundespräsident Johannes Rau. Bouteflika ist immerhin der erste algerische Staatschef überhaupt, der offiziell Deutschland besucht. Eine Premiere also - und damit mindestens "etwas lange nicht mehr Dagewesenes", wie Rau sagt. Am Dienstag sprach der Algerier mit Kanzler Schröder und Außenminister Fischer. "Töricht" sei es, wenn die Staaten südlich des Mittelmeeres "vernachlässigt" würden, sagte Bundespräsident Rau am Montagabend beim Staatsbankett für Bouteflika im Schloss Bellevue.

Der These, die Maghreb-Staaten lägen Deutschland "innerlich ferner als Osteuropa", sei ein "klares Nein" entgegenzusetzen, betonte Rau. Auch sein Gast fand klare Worte. "Unsere Beziehungen sind hinter unseren tatsächlichen Möglichkeiten zurückgeblieben", rügte Bouteflika. Und verband die Versicherung, Bürgerkrieg und Terror seien eingedämmt, mit der Einladung an deutsche Investoren und dem Bekenntnis zu Transparenz, Rechtsstaat, Menschenrechten und "einer totalen Liberalisierung" als Richtschnur der algerischen Wirtschaftspolitik.

"Inständig", so Bouteflika, hoffe er auf engere Beziehungen zu Europa. "Aufeinander angewiesen zu sein, ist heute kein Nachteil mehr", entgegnete Rau. Wirtschaftliche Entwicklung sei die beste Versicherung gegen ein neues Aufflammen von Fundamentalismus. "Wir sind Ihnen stets zur Seite gestanden", sagte das deutsche Staatsoberhaupt zum algerischen. Dabei bleibe es auch, versicherte Schröder am Dienstag seinem Gast. Es bleibt auch bei den offenen Fragen vor allem von Menschenrechtsorganisationen, was aus Hunderten von Verschwundenen wurde, die den Kampf der algerischen Regierung gegen den islamischen Terror nicht überlebt haben.

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