Boy Scouts of America : US-Pfadfinder lassen schwule Gruppenleiter zu

Die Pfadfinder in den USA haben die Bestimmungen für Teamführer gelockert. Nun dürfen auch offen homosexuelle Erwachsene Gruppen leiten. Ausnahmereglungen sollen konservative Kräfte besänftigen.

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Ein US-Pfadfinder mit einer Regenbogenflagge während einer Parade für die Rechte Homosexueller in San Francisco
Ein US-Pfadfinder mit einer Regenbogenflagge während einer Parade für die Rechte Homosexueller in San FranciscoFoto: Reuters/Noah Berger

Künftig darf es bei den US-amerikanischen Pfadfindern auch schwule oder lesbische Gruppenführer und Angestellte geben. Am Montag beschloss der nationale Exekutivrat der Organisation, „es den einzelnen Gruppen zu erlauben, ihre Führer ungeachtet der sexuellen Orientierung zu wählen“, so heißt es in einer Erklärung. Damit entschied sich der traditionell religionsnahe Pfadfinderzweig für den Weg einer sanften Liberalisierung. Allerdings berücksichtigt der Beschluss auch die Interessen der konservativ-religiösen Pfadfindergruppen. Mitglieder und Eltern haben demnach das Recht, auch weiter „erwachsene Führer zu wählen, deren Glauben mit dem eigenen übereinstimmt“. Ein klares Zugeständnis in Richtung Kirche.

Aber obwohl es einen klaren Kompromiss darstellt, den Bann zwar allgemein aufzuheben, einen solchen dennoch einzelnen Gruppen zu erlauben, bekommen die Pfadfinder schon gleich Ärger. Aus Salt Lake City, dem Sitz der Mormonen, hieß es am Dienstag, die Kirche sei „tief beunruhigt“ durch den Beschluss. Wenn die Kirchenräte nach der Sommerpause wieder zusammenkämen, müsse die Verbindung mit den Pfadfindern untersucht werden. Aus Salt Lake City ist das eine klare Ankündigung, die Zusammenarbeit zu beenden. Auf der anderen Seite erklärte die „Human Rights Campaign“ (HRC), eine Organisation für die Rechte von Schwulen und Lesben, die Pfadfinder gingen nicht weit genug. Zwar begrüßte HRC-Chef Chad Griffin den „historischen Schritt“. „Lokale Ausnahmen“ aber ermöglichten es, „mit der Diskriminierung weiterzumachen“.

Knapp 2,5 Millionen Jugendliche zwischen sieben und 21 Jahren und etwa 960 000 Freiwillige sind in lokalen Einheiten der wertebasierten Jugendprogramme der „Boy Scouts of America“ organisiert. Was die Organisation aber angesichts ihrer homofeindlichen Politik in legale Nöte gebracht hatte, sind ihre Angestellten. In mehreren US-Bundesstaaten wie etwa New York drohten ihr Diskriminierungsklagen. Von der New Yorker Staatsanwaltschaft hieß es denn auch gleich nach dem Beschluss, man beende die laufenden Ermittlungen wegen der Verletzung der Antidiskriminierungsgesetze.

2013 hatten die amerikanischen Pfadfinder der gesellschaftlichen Entwicklung bereits insofern nachgegeben, als dass homosexuellen Jugendlichen die Teilnahme in den Gruppen gestattet wurde. Schon da hatten evangelikal-konservative Kirchen ihre Zusammenarbeit mit den Boy Scouts beendet. Auch jetzt dürften weit mehr Gruppen als die Mormonen protestieren.


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