Boykott : China beleidigt das Nobelkomitee

An der Friedensnobelpreis-Zeremonie für den Bürgerrechtler Liu Xiaobo nimmt das offizielle China nicht teil. 18 weitere Staaten folgen dem Boykott. Peking schmäht den eigenen Preisträger als "Kriminellen" und die Mitglieder des Nobelkomitees als "antichinesische Possenspieler".

Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo.
Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo.Foto: dpa

Wenige Tage vor der Zeremonie zur Vergabe des Friedensnobelpreises an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo hat Chinas Führung den Ton verschärft. Nach Druck aus Peking nehmen 18 Staaten nicht an der Feier teil. Unter ihnen sind Russland, Pakistan und Saudi-Arabien, wie das Nobelkomitee am Dienstag in Oslo mitteilte. Während Dissidenten in China unter Hausarrest stehen und kritischen Intellektuellen die Ausreise verweigert wird, wollen rund 40 exilchinesische Bürgerrechtler zur Zeremonie an diesem Freitag nach Norwegen reisen.

Chinas Außenministerium kritisierte die Verleihung mit scharfen Worten. "Ich will den Mitgliedern des Nobelkomitees sagen, dass sie selbst Regisseure und Schauspieler einer antichinesischen Posse sind", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, vor der Presse in Peking. Mit der Verleihung des Nobelpreises an einen "inhaftierten Kriminellen" unterstütze das Komitee öffentlich "gesetzesbrecherische und kriminelle Aktivitäten" in China. Es sei eine "grobe Einmischung" in die Souveränität der chinesischen Justiz.

Für den zu elf Jahren Haft verurteilten Liu Xiaobo kann nicht einmal seine Frau Liu Xia den Preis entgegennehmen. Sie wird in ihrer Pekinger Wohnung festgehalten, ohne Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen zu dürfen. Chinas Staatssicherheit hält auch Freunde und Unterstützer unter Hausarrest. Liu Xiaobos Anwalt und anderen kritischen Juristen, Intellektuellen oder Künstlern war schon in den vergangenen Wochen die Ausreise verweigert worden. Offenbar sollte verhindert werden, dass sie nach Oslo reisen.

Friedensnobelpreis: Die Preisträger der vergangenen Jahre
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1 von 32Foto: Anis Mili/Reuters
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Aus der exilchinesischen Gemeinde machten sich jedoch frühere Führer der Demokratiebewegung von 1989 und andere bekannte Aktivisten auf den Weg nach Oslo. Unter ihnen sind nach eigenen Angaben die ehemaligen Studentenführer Wùer Kaixi und Chai Ling. Der in den USA lebende und 2007 nach fünfjähriger Haft entlassene Bürgerrechtler Yang Jianli organisiert in Oslo einen Empfang und eine Konferenz über Liu Xiaobo und die "Charta 08" für Demokratie und Menschenrechte, die diesen vor einem Jahr ins Gefängnis gebracht hatte.

Auch der in den USA lebende chinesische Bürgerrechtler Harry Wu reist an. Er hatte rund 20 Jahre seines Lebens in chinesischer Haft verbracht und später Missstände in Arbeitslagern enthüllt. "Ich werde für jene teilnehmen, die nicht kommen dürfen", sagte Wu unter Hinweis auf die Bürgerrechtler und Kritiker in seiner Heimat, die dem Griff der Staatssicherheit nicht entkommen können. "Ich respektiere Liu Xiaobo als intelligenten und unabhängigen Denker und glaube, dass er den Nobelpreis absolut verdient hat."

Für Deutschland nimmt Botschafter Detlev Rünger teil

Zu den Ländern, die keine Vertreter zu der Zeremonie schicken wollen, gehören auch Kasachstan, Kolumbien, Tunesien, Serbien, Irak, Iran, Vietnam, Afghanistan, Venezuela, die Philippinen, Ägypten, Sudan, Ukraine, Kuba und Marokko. Algerien und Sri Lanka haben auf die Einladung nicht reagiert. 44 Staaten sagten ihre Teilnahme zu, für Deutschland nimmt Botschafter Detlev Rünger teil. China hatte massiven Druck auf andere Länder ausgeübt und vor Schaden für die Beziehungen gewarnt, sollten sie Repräsentanten zu der Zeremonie schicken.

Die Verleihung des Nobelpreises an den inhaftierten Bürgerrechtler "stößt nicht nur auf energischen Widerstand des chinesischen Volkes, sondern wird auch von den meisten Ländern in der Welt, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, nicht akzeptiert", fand Außenamtssprecherin Jiang Yu in Peking. Wer großes Aufheben um Liu Xiaobo mache und Chinas Justiz herausfordere oder gar den chinesischen Entwicklungsweg ändern wolle, sei zum Scheitern verurteilt.

Der Friedensnobelpreis ist die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Die Zeremonien zur Vergabe der Nobelpreise finden traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Alfred Nobel, statt. (dpa)

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