Boykott : Libanesische Präsidentenwahl geplatzt

Die Präsidentenwahl im Libanon muss verschoben werden, nachdem die pro-syrische Fraktion im Parlament die entscheidende Abstimmung boykottiert hatte. In einem Monat soll erneut abgestimmt werden.

Istanbul/Beirut Die für heute anberaumte Wahl eines neuen libanesischen Staatspräsidenten ist am Boykott der pro-syrischen Opposition gescheitert. Augenzeugen berichteten, nur die Abgeordneten der anti-syrischen Mehrheitsfraktion seien zu der Sitzung erschienen. Nachdem feststand, dass die für die Abstimmung notwendigen zwei Drittel der Abgeordneten nicht anwesend waren, wurde die Wahl auf den 23. Oktober verschoben.

"Dieser Boykott ist ein Boykott des Vaterlandes", kritisierten Vertreter der Mehrheitsfraktion von Ministerpräsident Fuad Siniora. Die Abgeordneten hatten zu der Sitzung große Fotos von sechs anti-syrischen Parlamentariern mitgebracht, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren bei Attentaten ums Leben gekommen waren.

Die pro-syrische Opposition unter Führung der schiitischen Hisbollah will die Fraktion von Siniora durch ihren Boykott zwingen, einen Kompromisskandidaten vorzuschlagen. Siniora und seine Mitstreiter wollen dagegen keinen Präsidenten akzeptieren, der nicht wie sie gegen den Einfluss der einstigen Schutzmacht Syrien kämpft. Denn sie glauben, dass die Führung in Damaskus hinter der Serie von Politikermorden steckt. (mit dpa)

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