Brand im AKW Krümmel : Störfall Vattenfall

Das Unternehmen veröffentlicht einen detaillierten Bericht über den Brandablauf im AKW Krümmel – die Ursache bleibt unklar.

Antje Sirleschtov
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Problemfall: Sicherheitsleute patrouillieren am Zaun des Atomkraftwerks Krümmel. -Foto: dpa

Berlin - Wer genau wissen will, was sich in einem Kernkraftwerk abspielt, wenn dessen Transformatorenanlage brennt, der kann sich seit diesem Wochenende darüber informieren. Auf 250 Seiten beschreiben Experten und Gutachter – zum Teil minutiös – den Brandablauf am 28. Juni im Kernkraftwerk Krümmel. Dessen Betreiber, der Berliner Energiekonzern Vattenfall, will mit der Veröffentlichung dieses Berichtes ein Stück Vertrauen zurückgewinnen, aber auch darstellen, dass der Brand im Trafo nicht hätte zu einem Gau führen können. Dem schlimmsten aller vorstellbaren Unfälle in einem Akw.

Bei dem Zwischenfall war es zu einer Schnellabschaltung des Reaktors in Krümmel gekommen, außerdem waren Rauchgase in den Leitstand gedrungen. Laut Einschätzung von Vattenfall kam es nur innerhalb der Trafobox temperaturbedingt zu Schäden, alle anderen Bauteile seien unbeschädigt geblieben. Lediglich Rauchgase hätten zu einer Verunreinigung von Lüftungen und Generatorschalter geführt. Der für Laien in weiten Teilen komplett unverständliche Bericht enthält Messungen und Einschätzungen zur Schadstoffbelastung. Der Brand habe zu Geruchsbelästigungen und Atemwegsreizungen bei anwesenden Personen geführt. Es habe aber keine Verletzten gegeben, auch habe sich niemand auf der Sanitätsstation oder bei den Rettungssanitätern gemeldet. Zur Brandbekämpfung waren den Angaben zufolge weit über 100 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter im Einsatz.

Keine Auskunft gibt der Bericht hingegen über die möglichen Ursachen des Brandes. So hatte es kurze Zeit vorher im nahegelegenen Kernkraftwerk Brunsbüttel Störungen gegeben, die möglicherweise über das verbindende Stromnetz zu einer Überforderung der Krümmel-Trafoanlage führten. Erst vor einigen Tagen hatte der Atom-Chef von Vattenfall, Bruno Thomauske, öffentlich darüber philosophiert, dass es „in der Tat überraschend“ sei, dass der Krümmel-Trafo erst knapp zwei Stunden nach dem Schaden in Brunsbüttel reagiert und sich abgeschaltet habe.

Die Aufklärung der Vorgänge von Ende Juni wird voraussichtlich noch Wochen in Anspruch nehmen. Neben zahlreichen Gutachtern prüfen auch das Kieler Sozialministerium und das Bundesumweltministerium als Aufsichtsbehörden. Am Montag wollen beide Behörden die Anlagenfahrer über die Vorgänge befragen.

Dass sich der Betreiber der Atommeiler, Vattenfall, seit mehreren Wochen unkooperativ gegenüber den ermittelnden Behörden verhält und offenbar wichtige Informationen nur unter Druck herausgibt, hat Politiker aller Parteien zu kritischen Kommentaren bis hin zu der Aufforderung an Vattenfall geführt, sich aus dem Kernkraftbereich in Deutschland zurückzuziehen. SPD-Chef Kurt Beck sagte am Samstag, das Vertrauen in den Betreiber Vattenfall sei „schwer erschüttert“. Für Beck – aber nicht nur für ihn – haben die Vorfälle klare Konsequenzen hinsichtlich einer möglichen Verlängerung von Laufzeiten für ältere Kraftwerke. Das Ziel des Atomausstiegs, sagte Beck, werde durch die Vorfälle „klar bestätigt“. Eine Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke, wie sie mehrere Betreiber beantragt haben, sei „nicht zu verantworten“.

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