Brand in Ludwigshafen : Nazi-Symbole an Hauswand entdeckt

Die türkischen Medien sind von einem fremdenfeindlichen Anschlag überzeugt und fordern eine schnelle Aufklärung der Brandkatastrophe in Ludwigshafen. Die alevitische Gemeinde Deutschlands kritisiert die Medienhetze. Jetzt wurden Nazi-Symbole am Haus gefunden.

Wohnungsbrand Foto: ddp
Nach dem verheerenden Wohnhausbrand laufen die Sicherungs- und Ermittlungsarbeiten von Feuerwehr und Polizei auf Hochtouren. -Foto: ddp

BerlinDie Spekulationen in den türkischen Medien nehmen dramatische Züge an, denn unter Berufung auf Angehörige der Brandopfer sollen fremdenfeindliche Drohungen gegen die Hausbewohner schon öfters ausgesprochen worden sein, das berichtet die Tageszeitung "Zaman" am Mittwoch. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird in der "Hürriyet" mit den Worten zitiert "Wir wollen kein neues Solingen erleben". Erdogan will am Donnerstag im Rahmen seines Deutschland-Besuchs, den Tatort in Ludwigshafen besuchen. In der "Sabah" wird der Verdacht auf einen fremdenfeindlichen Angriff mit der Bemerkungen untermauert, dass nur 100 Meter vom Haus entfernt an einer Wand türkenfeindliche Parolen geschrieben stehen sollen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Mittwoch, neben dem Eingang habe das Wort "Hass" gestanden. Mehrere Medien hatten berichtet, die Buchstaben "S" seien mit SS-Runen geschrieben. Da das Gebäude seit dem Brand abgesperrt worden sei, müssten die Schmierereien vorher angebracht worden sein. Wann genau, sei jedoch unklar.

Derweil bemüht sich die Alevitische Gemeinde in Deutschland, Vertreter der liberalen Glaubensrichtung des Islam, um Schadensbegrenzung. Ein Vertreter äußerte sich besorgt über die Stimmungsmache in den türkischen Medien und ruft zu Besonnenheit auf. "Der tragische Tod von Menschen eignet sich nicht für hetzerische Spekulationen durch die türkischen Medien. Die sind gut beraten, die Ergebnisse der polizeilichen Untersuchungen abzuwarten und von einer Spaltung der Gesellschaft in Täter- und Opfergemeinschaften abzusehen", erklärt der Generalsekretär Ali Ertan Toprak in einer Presseerklärung.

Toprak: "Ausgerechnet die wollen ermitteln?"

Mit Unverständnis reagierte Toprak auf die Entsendung von türkischen Expertenteams nach Ludwigshafen: "Die türkischen Ermittler und Staatsminister sind gut beraten ihre Hausaufgaben zunächst in der Türkei zu machen. Die Brandanschläge auf Aleviten in der türkischen Stadt Sivas im Jahre 1993, bei der 37 Menschen ums leben kamen, warten bis heute noch auf Aufklärung." Die türkischen Experten sollten viel lieber ihre Energie für die Aufklärung der Tausenden politischen Morde in der Türkei stecken, so Toprak weiter. "Viel zu oft führen die Spuren in den türkischen Sicherheitsapparat. Ausgerechnet die wollen in Deutschland die Brandursache ermitteln?"

Die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer, drückte ihre Trauer beim gemeinsamen Besuch in Ludwigshafen mit dem türkischen Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu aus. Doch sie appellierte auch an die türkischen Medien, dass diese den intensiven Einsatz der deutschen Kräfte deutlicher hervorheben und keine falschen Annahmen verbreiten sollten. Staatsminister Yazicioglu rief in Ludwigshafen seine Landsleute ebenfalls zur Besonnenheit auf. Die deutschen Ermittler täten alles, um die Brandursache zu klären, sagte der Minister türkischen Fernsehsendern. "Auch die Deutschen sind wegen der Ereignisse aufgebracht", ergänzte er. "Die Brandursache wird gefunden werden." (hu/dpa)

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