Brandenburg : Großteil der Praxen soll am Mittwoch zu bleiben

Das Gros der rund 3000 brandenburgischen Arztpraxen wird am Mittwoch geschlossen bleiben. Viele Ärzte und Angestellte würden an diesem Tag nach Berlin fahren, um zu protestieren.

Potsdam - "Gemeinsam mit ihrem Praxispersonal werden sehr viele Kollegen in Berlin an der bundesweiten Protestaktion teilnehmen", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KV), Hans-Joachim Helming, am Montag. Bereits seit Oktober vergangenen Jahres protestieren brandenburgische Ärzte gegen massive Honorareinbußen. Am Montag waren laut KV vor allem Eberswalde und Eisenhüttenstadt betroffen.

Mit Blick auf Mittwoch bat Helming die Patienten um Verständnis, dass sie an diesem Tag im ganzen Land weitere Wege in Anspruch nehmen müssen und auch längere Wartezeiten drohen. "Doch die wirtschaftliche Situation vieler Arztpraxen ist so dramatisch, dass es ohne Proteste nicht mehr geht", betonte er. Die Akut-Versorgung sei jedoch in jeder Region gesichert. Vor dem Besuch einer Arztpraxis am Mittwoch sollten sich die Patienten erkundigen, ob diese Praxis geöffnet hat beziehungsweise welche Praxis für die Akut-Versorgung zuständig ist.

Diese landesweiten Praxisschließungen stellen nach Auskunft der KV eine neue Qualität des Protestes dar. In den zurückliegenden Wochen gab es vor allem regional organisierte Aktionen. "Bislang haben weder die Bundespolitik noch die großen Kassen in Brandenburg deutlich gemacht, dass sie gewillt sind, gemeinsam mit den Ärzten nach Lösungen zu suchen", begründete Helming den Protest. Das Scheitern der Honorarverhandlungen für die Jahre 2005 und 2006 mit der AOK sowie den brandenburgischen Ersatzkassen sei ein beschämendes Trauerspiel. In beiden Fällen muss das Schiedsamt vermitteln.

Hintergrund für die Proteste sind massive Honorareinbrüche. "Rund 10 Millionen Euro haben die brandenburgischen Krankenkassen seit Anfang 2005 pro Quartal weniger an die KV gezahlt", sagte Helming. Die Ärzte seien jedoch - um ihre Patienten zu versorgen - in Vorleistung gegangen. Nun werde ein Teil dieser Arbeit nicht vergütet und viele Praxen stünden vor dem wirtschaftlichen Aus. Die KV hatte zusammen mit den Ärzteorganisationen Hartmannbund und Ärzte-Union Brandenburg sowie mehreren Berufsverbänden zur Teilnahme an der Protestaktion in Berlin an diesem Mittwoch aufgerufen. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben