• Brandenburgs Innenminister Schönbohm fordert Polizei und Bürger auf, Rechtsextremisten aufzusuchen

Politik : Brandenburgs Innenminister Schönbohm fordert Polizei und Bürger auf, Rechtsextremisten aufzusuchen

Frank Jansen

Er will es anders machen. "Ich überlege, mal in einem Modellfall zu zeigen: man kann sich selber einklinken", sagt Jörg Schönbohm. Der neue Innenminister ist nicht zufrieden mit der Bekämpfung des Rechtsextremismus in Brandenburg. Angefangen beim eigenen Einsatz an den Brennpunkten will der Ex-General staatliche und gesellschaftliche Gegenwehr stärker personifizieren. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel skizziert der CDU-Politiker erste Ideen. So sollten speziell ausgebildete Polizisten gemeinsam mit beherzten Einwohnern einer Kommune die "Nester" gewaltbereiter Rechtsextremisten aufsuchen und diesen ins Gewissen reden.

"Es müsste möglich sein, im Lande genügend mannhafte Bürger zu finden", sagt Schönbohm. Sein Tonfall verrät Unverständnis eines Tatmenschen, der Missstände als individuelle Herausforderung begreift - "ich bin zutiefst überzeugt, dass man persönlich was machen kann." Schönbohms Reise zu den Polizeischülern in Basdorf, wenige Tage nach dem rechten Gebrüll von vier jungen Ordnungshütern in Bernau, mag als erster Feldversuch gelten. Denkbar wäre sogar ein "Alarmplan", meint der Minister, in dem sein prompter Auftritt und der "von ein paar guten Leuten" am Ort eines Verbrechens oder notorischer Machenschaften vorbereitet wird. Machten pro Stadt zwanzig energische Leute mit, ginge die "Ölfleck-Theorie" auf: "Viele Ölflecken ergeben einen Teppich."

Dass dieser Zustand nicht in nächster Zeit zu erreichen sein dürfte, weiss Schönbohm auch. In dem einen Jahr seit seinem Wechsel von Berlin nach Brandenburg hat der Christdemokrat offenbar einige Schocks erlebt: "Es ist erschreckend, wie wenig politische Bildung an den Schulen vermittelt wird." Auch die Mehrheit der Kommunalpolitiker "denkt sich weg", anstatt Rechtsextremismus und Fremdenhass entgegenzutreten. Schönbohm drängt zur Offensive: Die Gesellschaft sollte "eine geistige Bürgerwehr gegen Gleichgültigkeit und Fremdenfeindlichkeit aufstellen".

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