Brandstiftung : Masris Anwalt macht Behörden Vorwürfe

Der von der CIA entführte Deutsch-Libanese Khaled al Masri wird nach seiner Brandstiftung in einem Neu-Ulmer Supermarkt auf Schuldfähigkeit untersucht. Sein Anwalt machte der Bundesregierung schwere Vorwürfe

Neu-Ulm - Der 43-Jährige sei für unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, sagte sein Anwalt Manfred Gnjidic in Ulm. Bereits seit einem Jahr werde Al Masri im Ulmer Behandlungszentrum für Folteropfer behandelt. "Diese Therapie ist aber unzureichend", sagte Gnjidic. Der Anwalt erhob gegen die deutschen Behörden schwere Vorwürfe. Er habe direkt nach der Freilassung seines Mandanten aus der illegalen Haft in Afghanistan begonnen, sich um einen Therapieplatz für Al Masri zu bemühen. Sieben oder acht Versuche seien fehlgeschlagen. Erst vor einem Jahr habe das Ulmer Behandlungszentrum für Folteropfer dann eine minimale Finanzierungszusage bekommen und eine Therapie Al Masris beginnen können. Diese sei nicht ausreichend gewesen. Es sei "schlicht unerklärlich", warum für Al Masri kein Therapieplatz zur Verfügung gestellt worden sei. "Es gibt nicht so viele deutsche Staatsangehörige, die der Folter entkommen sind", sagte Gnjidic.

Der Deutsche Khaled al Masri hat nach Aussage seiner psychologischen Betreuer das Trauma seiner Verschleppung durch die CIA auch nach drei Jahren noch nicht aufarbeiten können. "Es ist ein tragischer Fall, wenn man sich einerseits um seine Rehabilitation bemühen muss, um nicht als Lügner dazustehen, aber gleichzeitig krank ist und Ruhe bräuchte, um eine Therapie in angemessener Weise machen zu können", sagte der organisatorische Leiter des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer, Manfred Makowitzki. Eine "traumaaufdeckende Arbeit" sei so leider nicht möglich gewesen, "und dann passieren solche Ausraster", sagte Makowitzki.

Seit Februar 2006 befindet sich Al Masri bei der Einrichtung in ambulanter Therapie. Die alle ein bis zwei Wochen stattfindenden Sitzungen hätten sich jedoch auf eine Stabilisierung Al Masris beschränken müssen, sagte Makowitzki. Seine öffentlichen Auftritte - etwa vor dem BND-Untersuchungsausschuss im Juni 2006 - hätten sein Erregungsniveau immer wieder zusätzlich erhöht. Auf eine direkte Bearbeitung der traumatischen Erfahrungen, "eigentlich Bestandteil unserer Therapie", habe die zuständige Therapeutin daher verzichten müssen. Diese hätten sonst gewirkt, "als würde man jemanden von zwei Seiten gleichzeitig anzünden. Das überfordert jeden, selbst einen psychisch Gesunden."

500.000 Euros Schaden bei Supermarkt

Al Masri hatte am Donnerstag gegen vier Uhr den Supermarkt mit Benzin angezündet. Der Tat ging nach Angaben des Anwalts ein wochenlanger Streit um die Rückgabe eines defekten Musikabspielgeräts voraus. "Wir sehen hier exemplarisch, was passieren kann, wenn man Folteropfer nicht behandelt, sondern allein lässt", sagte Gnjidic. Der Glaubwürdigkeit seines Mandanten, der nach eigenen Angaben 2004 vom US-Geheimdienst CIA nach Afghanistan verschleppt und gefoltert wurde, habe die Tat nicht geschadet - "im Gegenteil", sagte der Anwalt.

Bei dem Brand war ein Schaden von rund 500.000 Euro entstanden. Nach Angaben der Polizei hatte der Täter eine Glastür eingeschlagen und im Eingangsbereich Feuer gelegt. Noch in der Nacht wurde Al Masri in der Nähe festgenommen. Anfang dieses Jahres hatte die Münchner Staatsanwaltschaft wegen der Entführung Al Masris Haftbefehle gegen mehrere mutmaßliche CIA-Agenten erlassen. Die Verdächtigen sind international zur Fahndung ausgeschrieben. Mit dem Fall beschäftigte sich auch der BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags. (tso/dpa/AFP)

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