BRANDT & KIESINGER : Wie vor 40 Jahren

Frank-Walter Steinmeier

wird Angela Merkel bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 im Kampf ums Kanzleramt herausfordern – der amtierende Außenminister von der SPD tritt aus der großen Koalition heraus gegen die amtierende Kanzlerin von der CDU an.

Für diese Konstellation gibt es in der

Geschichte der Bundesrepublik ein

einziges Vorbild: Vor 40 Jahren trat Bundesaußenminister Willy Brandt (SPD) gegen den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) an.

Bei der Bundestagswahl am 28. September 1969 erreichten SPD und FDP eine Mehrheit und lösten die große Koalition ab, Willy Brandt wurde Bundeskanzler. Ein historischer Einschnitt: Erstmals in der Bundesrepublik stellte die Union nicht mehr den Regierungschef.

Für Brandt, der nach der Niederlage 1965 eigentlich seinen Verzicht auf einen erneuten Anlauf erklärt hatte, war es im Gegensatz zu Steinmeier bereits die dritte Kanzlerkandidatur. Kiesinger war, im Gegensatz zu Angela Merkel, das erste Mal angetreten. Seine Kanzlerschaft hatte er dem am 30. November 1966 vollzogenen Rücktritt von Ludwig Erhard zu verdanken, dessen christlich-liberale Koalition an Streitigkeiten über die Wirtschaftspolitik zerbrochen war. Kiesinger schmiedete als Erhards Nachfolger eine Koalition aus Union und SPD, in der Brandt zum Vizekanzler und Außenminister ernannt wurde.

Von ihren Wahlergebnissen von 1969 sind Union und SPD allerdings derzeit weit entfernt. CDU und CSU wurden damals mit zusammen 46,1 Prozent der Stimmen wieder stärkste Kraft, doch reichte es nicht für die absolute Mehrheit. Die SPD errang – aus heutiger Sicht traumhafte – 42,7 Prozent, was mit den 5,8 Prozent der FDP zur Mehrheit von 254 zu 242 Sitzen reichte. In den jüngsten Umfragen liegt heute die Union bei 36 Prozent, die SPD dümpelt bei 26 Prozent herum. Und ein weiterer Unterschied: Willy Brandt hatte damals mit Kiesinger einen wegen seiner Nazi-Vergangenheit weitaus umstritteneren Konkurrenten bei der Kanzlerkandidatur, als es Angela Merkel heute für Frank-Walter Steinmeier ist. sc

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