Brasilien : 83 Politiker unter Korruptionsverdacht

Brasiliens Generalstaatsanwalt hat Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen 83 Abgeordnete und Minister beantragt. Es könnten führende Regierungsmitglieder bis hin zu Staatspräsident Michel Temer involviert sein.

Brasiliens Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot hat Strafermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen 83 Abgeordnete und Minister beantragt.
Brasiliens Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot hat Strafermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen 83 Abgeordnete und Minister...Foto: dpa

Brasiliens Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot hat beim Obersten Gerichtshof Strafermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen 83 Abgeordnete und Minister beantragt. Wie er am Dienstag mitteilte, seien die Anschuldigungen auf Basis der Aussagen von 77 früheren und aktuellen Managern des Baukonzerns Odebrecht entstanden. Über Namen und Details könne noch keine Auskunft gegeben werden.

Es wird spekuliert, dass auch führende Regierungsmitglieder bis hin zu Staatspräsident Michel Temer involviert sein können. Der vorherige Vizepräsident hatte erst 2016 durch ein Amtsenthebungsverfahren Dilma Rousseff im Amt beerbt. Nun muss vom Gerichtshof entschieden werden, welche Ermittlungen zugelassen werden. Wegen möglicher Verwerfungen wird in Brasilien von der „Operation Ende der Welt“ gesprochen.

116 Staatsanwälte seien an der Ermittlungsarbeit beteiligt. In der Regel floss ein Teil der Vertragssumme an Politiker, im Gegenzug kam es zur „Refinanzierung“ oft zu enormen Kostensteigerungen. Daher fordert zum Beispiel die Justiz in Rio de Janeiro 60 Millionen Euro von den Baufirmen um Odebrecht für den Umbau des Maracanã-Stadions zurück. Odebrecht realisierte auch andere Stadienbauten und Verkehrsprojekte für die Fußball-WM und die Olympischen Spiele in Rio.

Der Konzern, dessen Wurzeln auf deutsche Einwanderer zurückgehen und dessen Ex-Chef Marcelo Odebrecht zu rund 19 Jahren Haft verurteilt worden ist, soll in zwölf Ländern Lateinamerikas und Afrikas insgesamt rund 785 Millionen US-Dollar (735 Mio Euro) an Schmiergeldern gezahlt haben, um an Bauaufträge zu kommen. (dpa)

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