Brasilien : Amnesty: Sklavenarbeit für Bio-Sprit

Die Nachfrage nach Biosprit ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen und damit auch die Gewinnung von Ethanol aus Zuckerrohr. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert nun die sklavenähnlichen Bedingungen, unter denen Tausende auf den Plantagen arbeiteten.

Bio-Ethanol-Plantage
Brasilien: Arbeiterin auf einer Zuckerrohr-Plantage. -Foto: dpa

London/BrasiliaDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Biokraftstoffen in Brasilien scharf kritisiert. Aus dem ganzen Land würden Fälle von Zwangsarbeit auf Zuckerrohr-Plantagen gemeldet, heißt es in einem in London veröffentlichten Bericht. Mitarbeiter von 185 Unternehmen in 16 der 26 Bundesstaaten werden demnach ausgebeutet. Im März hätten die Behörden 288 Zwangsarbeiter aus sechs Plantagen im Bundesstaat São Paulo befreit, berichtet AI. In einem weiteren Fall würden rund tausend Menschen im Norden des Bundesstaates Pará unter "sklavenähnlichen Bedingungen" arbeiten.

Die Produzenten von Zuckerrohr und Bioethanol wiesen die Kritik zurück. Der Branchenverband Unica erklärte, die Informationen von AI seien "falsch" und "aus dem Kontext gerissen". Die von der Menschenrechtsorganisation angeprangerten Fälle würden von der Justiz untersucht und entsprächen nicht den Zuständen bei der großen Mehrheit der Unternehmen. "In ganz Brasilien arbeiten in diesem Sektor etwa eine Millionen Menschen", erklärte UNICA. Die Branche zahle dabei den höchsten Durchschnittslohn für Feldarbeiter.

Brasilien ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Bioethanol. Nach Angaben der Regierungsbehörde Conab von Ende April erwartet das Land in diesem Jahr einen Rekord bei der Biosprit-Produktion. Voraussichtlich würden 2008 rund 27 Milliarden Liter Ethanol aus Zuckerrohr gewonnen und damit 15 bis 20 Prozent mehr als 2007. Zuckerrohr wird demnach in dem Land auf 7,7 Millionen Hektar angebaut, ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber der vorhergehenden Anbausaison. Nichtregierungsorganisationen kritisieren immer wieder die Umweltschäden durch den intensiven Zuckerrohr-Anbau sowie die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Plantagen. (nim/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben