Brasilien : Hunderttausende demonstrieren gegen Präsidentin Dilma Rousseff

In zahlreichen Städten Brasiliens haben Menschen bei Protestmärschen die Absetzung von Staatschefin Dilma Rousseff gefordert. Die Demonstranten prangerten Korruption und steigende Lebenshaltungskosten an.

Protest gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff in Rio de Janeiro
Protest gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff in Rio de JaneiroFoto: EPA/Antonio Lacerda

In Brasilien haben Hunderttausende Menschen gegen Korruption sowie steigende Lebenshaltungskosten demonstriert. Wie die Polizei mitteilte, beteiligten sich am Sonntag 585.000 Demonstranten an Protestkundgebungen in 100 Städten des Landes. Die Organisatoren gaben die Teilnehmerzahl mit 582.000 an, darin waren allerdings nicht die Teilnehmer der größten Demonstration in der Wirtschaftsmetropole São Paulo eingerechnet.

Die Demonstranten wandten sich mit Sprechchören wie "Dilma raus" und "Korrupte Regierung" gegen die politische Führung um die sozialistische Staatschefin Dilma Rousseff.

Weniger Zulauf als vor einem Monat

Bei der größten Kundgebung versammelten sich laut vorläufigen Schätzungen der Polizei 275.000 Menschen in São Paulo, die Initiatoren sprachen gar von 600.000 bis 1,2 Millionen Teilnehmern. In Rio de Janeiro gab es nur zwei kleinere Demonstrationen, an den sich Medienberichten zufolge rund 10.000 Menschen beteiligten. In der Hauptstadt Brasilia waren es mehr als 25.000 Demonstranten. Am 15. März hatten sich landesweit mehr als 1,7 Millionen Menschen an den Protesten gegen die Regierung beteiligt.

Die Demonstrationen richteten sich am Sonntag gegen die zunehmende Inflation und steigende Energiekosten. Außerdem machten die Protestierenden ihrer Wut über den Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras Luft.

Bestechung bei Petrobas

Laut Staatsanwaltschaft zahlten rund zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, an Petrobras Schmiergeld, um an lukrative Aufträge zu kommen. Das Staatsunternehmen soll zudem Auftragssummen durch illegale Aufschläge aufgebläht haben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen an andere Unternehmen weitergeleitet worden sein.

Nachdem das Geld auf diese Weise gewaschen wurde, wurde es nach Angaben der Ermittler als Bestechungsgeld ausgezahlt. Davon profitierten vor allem Politiker der regierenden Arbeiterpartei von Präsidentin Rousseff. Die Justiz ermittelt gegen knapp 50 Politiker.

Rousseff hatte von 2003 bis 2010 im Verwaltungsrat von Petrobras gesessen, bevor sie ihr Amt niederlegte, um für das Amt der Staatspräsidentin zu kandidieren. Vor kurzem trat sie ihre zweite Amtszeit an. Mittlerweile sind ihre Umfragewerte allerdings drastisch gesunken. (AFP)

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