Brasilien : Lula verpasst Wiederwahl knapp

Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva hat die Wiederwahl zum Präsidenten in Brasilien knapp verpasst. Er kam nur auf 48,79 Prozent der Stimmen und muss sich jetzt seinem Herausforderer, dem Sozialdemokraten Geraldo Alckmin, in einer Stichwahl stellen.

Brasilia - Wie die Wahlbehörde in Brasilia weiter mitteilte, bekam Alckmin 41,43 Prozent der Stimmen. Bisher seien fast 98 Prozent der Stimmen ausgezählt worden. Die Stichwahl soll am 29. Oktober stattfinden. 126 Millionen Stimmberechtigte waren zur Wahl des Präsidenten und des Parlaments aufgerufen.

Der Amtsinhaber von der Arbeiterpartei (PT) verpasste die absolute Mehrheit nur knapp, erklärte jedoch sein Einverständnis für eine Stichwahl. Lula da Silva werde zur zweiten Runde antreten, erklärte der zuständige Minister Tarso Genro dem Fernsehsender TV Globo. Auch Alckmin wollte zur Stichwahl antreten. "Ich rechne mir große Chancen für einen Sieg aus", erklärte er. Brasilien wolle eine "ehrlichere und effizientere" Regierung.

Im Endspurt des Wahlkampfs schadete Lula besonders die angebliche Verwicklung in eine Schmutzkampagne gegen die Opposition. Wahlkampfhelfer von Lulas Arbeiterpartei sollen versucht haben, für viel Geld belastende Unterlagen zu kaufen, mit deren Hilfe Herausforderer Alckmin der Verbindung zu "mafiösen Strukturen" überführt werden sollte. Wie in früheren Korruptionsskandalen entließ Lula führende Funktionäre seiner Partei und stritt jegliche Verstrickung ab.

Positive Bilanz

Lula, ein früherer Metallgewerkschafter und Streikführer, konzentrierte sich im Wahlkampf wie schon vor vier Jahren auf die Millionen Armen im größten Land Lateinamerikas. Auch wenn der 60-Jährige viele seiner Versprechen nicht einlöste, halten Ökonomen seine bisherige Bilanz für überwiegend positiv. Der Präsident hielt Brasilien strikt auf Stabilitätskurs und übertraf damit noch die Empfehlungen des Internationale Währungsfonds (IWF). Die Banken erzielten unter Lulas Regierung Rekordgewinne, die Börsenkurse in São Paulo vervierfachten sich und die Landeswährung Real ist gegenüber dem Dollar heute fast doppelt soviel wert wie während der Finanzkrise 2002.

Gewählt wurden außerdem die 513 Mandatsträger des Abgeordnetenhauses sowie ein Drittel der 81 Senatoren, ferner die Gouverneure und Abgeordneten der 27 Bundesstaaten. (tso/AFP)

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