Politik : Brasilien nimmt Atomprogramm wieder auf

Sandra Weiss

Caracas - Brasilien hat nach 20 Jahren sein Atomprogramm wieder aufgenommen und unterstreicht damit seinen Anspruch auf eine regionale Führungsrolle. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva verkündete am Dienstag die Freigabe von zunächst 540 Millionen Dollar für den Bau eines dritten Atomkraftwerks sowie eines U-Bootes mit Nuklearantrieb.

„Brasilien hat alle Grundvoraussetzungen für die Vervollständigung des nuklearen Zyklus: Techniker, Wissen, und an Geld soll es nun auch nicht mehr fehlen“, sagte der brasilianische Präsident beim Besuch einer Forschungseinrichtung der Marine in Ipero bei Sao Paulo. „Damit steigt Brasilien zu einem der wenigen Länder der Welt auf, die den gesamten Anreicherungsprozess beherrschen“, sagte Lula.

Angesichts der hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre steuern die meisten Länder Lateinamerikas auf einen Energieengpass zu. Erdöl ist auf Dauer zu teuer, Erdgas nicht überall verfügbar. Daher erwägen auch Argentinien und Chile den Bau von Atomkraftwerken. Brasilien verfügt mit Angra I und Angra II an der Küste südlich von Rio de Janeiro bereits über zwei Atomkraftwerke, an deren Bau der deutsche Siemens-Konzern führend beteiligt war. Angra III wurde angefangen, aber nie fertiggestellt. Lula gab nun grünes Licht für die Vollendung. Angra I und II produzieren 2000 Megawatt und decken damit vier Prozent des Bedarfs. Das Energieministerium prüft den Bau von zwei weiteren Atomanlagen.

Ob Brasilien nun wirklich massenweise Nuklear-U- Boote und Atomkraftwerke fertigen kann, ist nicht klar. Allein der Bau von Angra III wird nach Schätzungen der Regierung 3,6 Milliarden Dollar verschlingen. Bürgerrechtler und Umweltschützer kritisierten die Pläne als „kostspielige Verschwendung“ in einem Land, in dem jeder vierte in Armut lebt. Sandra Weiss

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