Bremen : Kirchentag: Ernst, nicht kämpferisch

Die Veranstalter des Evangelischen Kirchentags widersprechen ihren Kritikern. Wer sagt, der Kirchentag sei zu zahm geworden, der verkenne, dass die komplexen Probleme unserer Zeit nicht durch plakative Antworten gelöst werden können, so die Kirchentagspräsidentin.

Claudia Keller[Bremen]

Mit einem Gottesdienst auf Bremens Bürgerweide ist am Sonntag der 32. Evangelische Kirchentag zu Ende gegangen. 100 000 Besucher versammelten sich unter blauem Himmel und lauschten der Predigt des italienischen Theologen und Ökumene-Experten Daniele Garrone. Er warnte davor, aus der christlichen Botschaft ein „moralistisches Belehren“ zu machen. „Wir alle unterliegen der Versuchung, durch ein Übermaß an Ethik unseren Mangel an Hoffnung zu übertünchen.“ Auch in der Ökumene vermisse er die Hoffnung. „Da ist oft mehr Frustration als Zuversicht, mehr Zurückhaltung als Vision.“ Auf dem fünftägigen Christentreffen hatten sich auch die Stimmen von evangelischer wie katholischer Seite gemehrt, man solle die Erwartungen an den zweiten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) nicht zu hoch hängen. Der Erste ÖKT hatte 2003 in Berlin stattgefunden. Der zweite soll im Mai kommenden Jahres in München gefeiert werden. Dazu laden der Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der Katholiken ein, die obersten Laienvertretungen in den beiden Amtskirchen.

Ein gemeinsames Abendmahl werde es nicht geben, stellte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch klar, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Man sei besorgt über die Entwicklungen im Zentralkomitee der Katholiken, sagte Eckhard Nagel, der evangelische Präsident des zweiten ÖKT. Vor drei Wochen hatten die deutschen Bischöfe den Kandidaten abgelehnt, den das Zentralkomitee zu ihrem neuen Präsidenten wählen wollte und damit ein tiefes Zerwürfnis zwischen Klerikern und Laien herbeigeführt. Die Laienbewegungen seien unverzichtbare Elemente im Christentum, betonte Nagel. Manche Kirchentagsbesucher hatten bemängelt, dass es in Bremen zu wenige Veranstaltungen zur Ökumene gegeben habe. Nagel wies den Vorwurf zurück und verwies auf 30 Veranstaltungen. Damit es im Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken weitergehe, brauche es aber dringend zumindest symbolische Handlungen, so Nagel. „Für den Ökumenischen Kirchentag in München werden wir Symbole entwickeln müssen, damit die Veranstaltung als Fortschritt wahrgenommen wird.“

Bremen sei „kein kämpferischer Kirchentag“ gewesen, sagte Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Treffens, sondern einer, der eine neue Ernsthaftigkeit gezeigt habe. „Wer sagt, der Kirchentag sei zu zahm geworden, der verkennt, dass die komplexen Probleme unserer Zeit nicht durch plakative Antworten gelöst werden können“, sagte Kirchentagspräsidentin Karin von Welck beim Abschlussgottesdienst. Die Besucher seien bereit gewesen, sich in vielen Foren intensiv mit den aufgeworfenen Fragen auseinanderzusetzen. Der nächste Evangelische Kirchentag wird 2011 in Dresden stattfinden unter der Leitung der zukünftigen Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, der grünen Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

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