Bremen : Scherf kündigt Rücktritt an

Der Bremer Bürgermeister Henning Scherf hat seinen Rücktritt vom Amt des Regierungschefs des kleinsten Bundeslandes angekündigt. Die SPD/CDU-Koalition in Bremen bleibt bestehen.

Bremen (28.09.2005, 21:45 Uhr) - «Ich denke, das ist jetzt der richtige Zeitpunkt», sagte Scherf am Mittwochabend auf einem SPD-Landesparteitag. Einen genauen Termin nannte er nicht. Bis ein Nachfolger gefunden ist, will er seine Amtsgeschäfte weiterführen.

Scherf sagte, er werde in vier Wochen 67 Jahre alt und sei länger in der Gewerkschaft als in der Partei. Dort habe er sich immer für Arbeitszeitverkürzung eingesetzt und wolle dies jetzt auch für sich in Anspruch nehmen.

«Ich möchte ein Leben nach der Arbeit führen und nicht mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus getragen werden, sondern ich möchte gerne auch noch leben, als Sozialdemokrat, als Gewerkschafter, als Vater, als Großvater und als Bremer Bürger.»

Die große Koalition in Bremen werde auch nach dem Ausscheiden Scherfs aus dem Senat fortgesetzt, kündigte der SPD-Landesvorsitzende Carsten Sieling an: «Wir werden den Koalitionsvertrag einhalten.» Dies habe er mit dem CDU-Landeschef Bernd Neumann vereinbart. Die Bremer SPD-Spitze werde ab sofort nach einem Nachfolger für Scherf suchen. Über erste Gesprächsergebnisse werde der Landesvorstand am kommenden Freitag beraten. Bei mehreren Bewerbern sei eine Mitgliederbefragung geplant.

Scherf bot der Partei an, bei der Suche nach Zukunftskonzepten für das Land Bremen weiter mitzuhelfen. «Das ist ein Versuch mitzudenken, aber nicht mehr mitzuregieren. Das möchte ich gerne mit meiner Erklärung heute beenden.» Er habe den Landesvorstand gebeten, unverzüglich zu einer Nachfolgeregelung zu kommen. «Von mir aus kann das ganz schnell gehen.» So lange das nicht entschieden sei, mache er seine Arbeit weiter.

Die SPD in Bremen habe ein besonderes Erbe, rief Scherf den Delegierten zu, die ihm mit minutenlangem Beifall für seine Arbeit dankten. Kein anderes Bundesland sei seit dem Krieg ununterbrochen von den Sozialdemokraten regiert worden. (tso/dpa)

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