Politik : Bremer Taliban: Deutsche haben mich gequält

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Berlin/Bremen - Der als „Bremer Taliban“ bekannt gewordene und Ende August aus Guantanamo freigelassene Bremer Türke Murat Kurnaz erhebt schwere Vorwürfe gegen deutsche Soldaten. Nach seiner Gefangennahme im Herbst 2001 in Afghanistan sei er in Kandahar – in US-Gefangenschaft – von zwei Soldaten mit der deutschen Flagge auf dem Ärmel misshandelt worden. Auch berichtet Kurnaz in einem Interview mit dem „Stern“, er sei mehrfach von deutschen Beamten in Guantanamo befragt worden. Bisher hat die Bundesregierung nur eine Befragung in dem Lager auf Kuba zugegeben.

Der heute 24-Jährige war im Herbst 2001 nach Pakistan gereist. Bei einer Buskontrolle wurde er als mutmaßlicher Al-Qaida-Kämpfer festgenommen und nach seinen Angaben zunächst in ein US-Geheimgefängnis in Kandahar gebracht, bevor er für viereinhalb Jahre nach Guantanamo kam. In Kandahar sei er eines Abends zu zwei deutschen Soldaten geführt worden. Sie hätten Tarnuniformen mit deutscher Flagge am Ärmel getragen. „Ich musste mich hinlegen, die Hände auf dem Rücken gefesselt“, erzählt Kurnaz. Einer der beiden habe ihn an den Haaren hochgezogen und dann den Kopf auf den Boden geschlagen. „Die Amerikaner fanden das lustig.“

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagt e: „Wir nehmen diese Vorwürfe ernst und wir werden sie sehr konsequent verfolgen.“ Erste Befragungen, so ein Sprecher Jungs, hätten bisher keine Anhaltspunkte für Misshandlungen ergeben. Alle damals in Kandahar eingesetzten Soldaten würden jetzt aber zur Abgabe dienstlicher Erklärungen aufgefordert. Eine Kurnaz-Befragung hat der BND-Untersuchungsausschuss schon beschlossen, sagte der FDP-Politiker Max Stadler. Er forderte die Regierung zu einer Stellungnahme auf, „erst dann kann man die Vorwürfe seriös bewerten“. Der Ausschuss-Vorsitzende Siegfried Kauder (CDU), sagte: „Ich halte diese Vorwürfe für irreal.“ Doch auch irreal anmutende Vorwürfe müsse man prüfen.babs/stg

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