Politik : Brennpunkt Nahost: Israel greift Ramallah mit Raketen an

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Nach der jüngsten Serie von palästinensischen Selbstmordanschlägen sind am Dienstag bei israelischen Vergeltungangriffen im Gaza-Streifen und im Westjordanland acht Palästinenser getötet worden. Stunden später verhinderte ein israelischer Busfahrer einen weiteren Selbstmordanschlag. Er warf den auffällig gewordenen Mann aus dem Bus. Der Attentäter sprengte sich daraufhin in die Luft. Keiner der Reisenden wurde verletzt.

Die israelische Regierung beschloss nach Beratungen mit der militärischen Führung eine Ausweitung der Angriffe auf palästinensische Ziele. Eine Offensive sei jedoch nicht geplant, erklärte ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Raanan Gissin. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat erklärte am Dienstag, trotz der israelischen Angriffe stünden die Palästinenser weiter hinter dem Friedensprozess.

Israelische Hubschrauber feuerten drei Raketen auf ein Büro der Hamas im Flüchtlingslager Dschebalja. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben zwei Männer ums Leben. In Chan Junis im Gaza-Streifen zerstörten Panzergranaten mehrere Häuser berichteten Augenzeugen. Drei Personen, darunter eine Mutter und deren 14-jährige Tochter, kamen ums Leben. Im Flüchtlingslager Balata im nördlichen Westjordanland wurden bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten zwei Palästinenser getötet und fünf verletzt.

Im Gaza-Streifen eröffneten zwei Palästinenser das Feuer auf israelische Soldaten, die die Schüsse erwiderten. Dabei wurde nach Armeeangaben ein Angreifer getötet. Kampfflugzeuge des Typs F-16 zerstörten zwei Gebäude der Sicherheitsbehörden in Rafah im Gaza-Streifen.

Die israelischen Streitkräfte bezeichneten die Einsätze als Antwort auf "mörderische Angriffe" von Palästinensern. Im Gaza-Streifen zerstörten die israelischen Streitkräfte einige Häusern, was ihnen dann aber gerichtlich untersagt wurde. Sie blockierten auch die Hauptstraße in nordsüdlicher Richtung.

Die Grünen wollen die israelische Friedensbewegung bei ihrem Vorhaben unterstützen und in Deutschland Unterstützer für ihre Bemühungen um einen Ausgleich mit den Palästinensern zu finden. Die Teilnahme von 20 000 Menschen an einer Friedensdemonstration am Wochenende sei ein Hoffnungsschimmer in einer schwierigen Situation, sagte Fraktionschefin Kerstin Müller bei einer Veranstaltung mit Vertretern der israelischen Bewegung "Peace Now" in Berlin. "Peace Now"-Mitarbeiter forderten, Deutschland und die EU sollten mehr Druck auf die Regierung Scharon ausüben. Einen Stopp deutscher Waffenlieferungen nach Israel lehnte "Peace Now"-Mitgründer Dan Jacobson jedoch ab. Dieser werde große Teile der israelischen Gesellschaft verunsichern und das Friedensziel nicht voranbringen, sagte er. Jacobson forderte Deutschland auf, sich auch deutlicher gegen Menschenrechtsverletzungen im Nahostkonflikt zu äußern. "Sie müssen klar machen, dass es rote Linien gibt, die nicht überschritten werden dürfen."

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