Politik : Brennstäbe für Irans Atommeiler

Russland will trotz Sanktionen umstrittene Anlage in Buschehr fertigstellen

Teheran - Der Iran will Ende kommender Woche sein erstes Atomkraftwerk in Betrieb nehmen. Am 21. August soll der mit russischer Hilfe gebaute Reaktor in Buschehr erstmals mit Brennstäben bestückt werden, sagte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, am Freitag laut iranischen Nachrichtenagenturen. Die USA nahmen die Ankündigung zum Anlass, erneut ein Ende der Urananreicherung im Iran zu fordern. Laut Salehi lud der Iran Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde zur Überwachung der Inbetriebnahme ein.

Bis zum 5. September sollten alle 165 Brennstäbe in dem Reaktor installiert werden. Die Stromproduktion soll Mitte September starten. Salehi bestätigte damit vorherige Angaben der staatlichen russischen Atombehörde Rosatom. Die offizielle Inbetriebnahme der umstrittenen Anlage soll den Angaben von Rosatom zufolge von einem Festakt begleitet werden, zu dem auch Behördenchef Sergej Kirijenko kommen will. Laut Rosatom könnte der Einbau der Brennstäbe jedoch auch einen Monat dauern. Rosatom machte keine Angaben darüber, wann der Meiler tatsächlich Strom produzieren wird.

Die US-Regierung verwies in Washington darauf, dass die geplante Inbetriebnahme von Buschehr zeige, dass der Iran nicht selber Uran anreichern müsse. Die Brennstäbe für das Akw werden von Russland geliefert. „Der Iran benötigt keine Kapazitäten zur Anreicherung“, sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs in Washington. Der UN-Sicherheitsrat hat den Iran mehrfach zum Stopp der Urananreicherung aufgefordert, weil er dahinter Ambitionen des Landes auf die Atomwaffe vermutet. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte noch im Frühjahr gefordert, das Projekt in Buschehr solle nicht fortgesetzt werden, solange Teheran Garantien dafür schuldig bleibe, dass es unter dem Vorwand der Stromgewinnung nicht heimlich nach Atomwaffen strebe.

Der Bau der Atomanlage in Buschehr war noch vor der iranischen Revolution im Jahr 1979 vom Siemens-Konzern begonnen, im Zuge des irakisch-iranischen Kriegs 1980 aber eingestellt worden. 1994 nahmen russische Ingenieure das Projekt wieder auf und wollten es zunächst bis 1999 fertigstellen. Doch „technische Probleme“ verzögerten nach russischen Angaben immer wieder die Inbetriebnahme. In dem seit Jahren schwelenden Streit um das iranische Atomprogramm hatte der UN-Sicherheitsrat am 9. Juni auf erheblichen Druck der USA die bestehenden Sanktionen gegen Teheran verschärft. Die USA und die EU beschlossen zusätzliche Sanktionen.

Auch Russland schlug in den vergangenen Monaten wegen der iranischen Atompolitik härtere Töne gegenüber Teheran an. Die Regierung in Moskau betonte jedoch stets, dass der Meiler in Buschehr nicht in Verbindung mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm stehe. Im März hob ein Sprecher des russischen Außenministeriums noch hervor, es sei falsch, einen Zusammenhang zwischen dem Bau der Atomanlage und der „wachsenden Notwendigkeit“ neuer Strafmaßnahmen wegen des iranischen Atomprogramms herzustellen. AFP

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