Politik : Breslau als Symbol der Einheit Europas Kwasniewski und Rau begehen

300. Gründungstag der Universität

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Berlin/Breslau (cvm). Als Demonstration gegen die Teilung Europas und Symbol ihrer Überwindung verstehen die Präsidenten Polens und Deutschlands, Aleksander Kwasniewski und Johannes Rau, ihr heutiges Treffen in Breslau (Wroclaw). Anlass ist der 300. Gründungstag der Universität Leopoldina, die 1702 von den Österreichern gegründet worden war. Das Präsidententreffen ist die dritte hochrangige deutschpolnische Begegnung binnen kurzem in der Stadt an der Oder, die wie kaum eine andere für das Vertreibungsschicksal beider Völker steht. 2001 trafen sich dort die Außenminister, 2002 war sie Schauplatz der Regierungskonsultationen.

In Berlin erklärt man diese Häufung mit der Absicht, die wechselhafte Geschichte der politisch oft übergangenen Provinzstadt zur Sinnstiftung der gemeinsamen Zukunft in der EU zu nutzen. Noch vor wenigen Jahren sei das wegen der psychologischen Barrieren in beiden Völkern nur begrenzt möglich gewesen. Viele Deutsche hätten nur die eigene Vertreibung aus den heute polnischen Ostgebieten im Blick gehabt; sie nahmen die in kommunistischer Zeit populäre Geschichtslüge übel, bei Polens Westverschiebung habe es sich um eine „Rückkehr in wiedergewonnene Gebiete“ gehandelt. Vielen Polen fiel es schwer, sich zur deutschen Geschichte Breslaus zu bekennen, und sie fanden es schmerzlich, dass kaum ein Deutscher das polnische Vertreibungsschicksal kenne. Zahlreiche Familien der heutigen Breslauer stammen aus Lemberg (Lwow), das nach 1945 zur Sowjetunion geschlagen wurde. Kwasniewski und Rau werden sich an diesem Freitag zum Vorschlag äußern, das geplante Zentrum gegen Vertreibung in Breslau zu errichten.

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