Briten in Afghanistan : Ende der Unklarheit

Großbritannien wird seine Truppen in Afghanistan auf rund 10.000 Mann erhöhen. Das signalisierte der Chef der britischen Streitkräfte, General Sir Richard Dannatt, in einem Interview mit der „Times“ vom Freitag.

Matthias Thibaut

LondonDamit setzte Dannatt der Unklarheit ein Ende, die wochenlang mit Blick auf die zukünftige Afghanistanpolitik der britischen Regierung geherrscht hatte. Mit der Andeutung kamen die Briten auch einer offiziellen Anforderung von Truppen durch US-Präsident Barack Obama zuvor.

Die genaue Höhe der Verstärkung ist nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums noch nicht festgelegt. Doch machte Dannatt klar, dass ein großer Teil der für den Irakkrieg ausgebildeten, aber nicht mehr eingesetzten 12. Panzerbrigade nach Afghanistan verlegt wird. Allerdings betonte er, dass die Truppen zu erschöpft seien, um die ganze Einheit von 4000 Soldaten zu entsenden. Großbritannien wird auch an der von Obama beschlossenen „Ziviloffensive“ teilnehmen, die mit Wiederaufbauteams direkt in die Provinzregierungen eingreifen sollen.

Der Einsatz ist in Großbritannien nicht unumstritten. Seit Beginn des Afghanistaneinsatzes im Jahr 2001 kamen in dem Konflikt 150 britische Soldaten ums Leben, hunderte erlitten schwere Verletzungen. Überdehnung, schlechte Ausstattung und finanzielle Aushöhlung haben den Einsatz der Armee untergraben. Die Einsatzziele in der Provinz Helmand gegen die Taliban wurden nicht erreicht. Außenminister David Miliband sprach von einem „strategischen Patt“. Oppositionsführer David Cameron warnte, dass zusätzliche Soldaten nur ein Teil der Antwort seien, und wies auf die Notwendigkeit ziviler Unterstützung hin. Schattenverteidigungsminister Liam Fox nannte als Vorbedingung einer Truppenerhöhung, „dass alle Nato-Verbündeten einen fairen Teil der Mission mittragen“. Auch Verteidigungsminister John Hutton forderte mit deutlichen Worten einen höheren Kampfbeitrag von Deutschland. Im Londoner Außenministerium ist man allerdings mit solchen Forderungen zurückhaltend. „Jedes Land trägt nach eigenen Möglichkeiten zu der Mission bei“, sagte Großbritanniens Berliner Botschafter Sir Michael Arthur. 

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