Politik : Briten: Kampf um Basra beginnt

Bodenkämpfe mit Republikanischen Garden vor Bagdad /Powell warnt Syrien und Iran vor Hilfe für Irak

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Bagdad/Washington/Berlin (Tsp). Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn haben sich USTruppen südlich von Bagdad schwere Bodenkämpfe mit den Republikanischen Garden von Saddam Hussein geliefert. Zugleich begann die Schlacht um die strategisch wichtige Hafenstadt Basra, teilten britische Offiziere am Montag mit. Erstmals flogen Kampfjets auch tagsüber im Tiefflug Angriffe auf Bagdads Regierungsviertel. Iraks Vize-Regierungschef Tarik Asis drohte den amerikanischen Soldaten mit weiteren Selbstmordanschlägen. Washington warf Iran und Syrien vor, die Regierung in Bagdad und „terroristische Gruppen“ zu unterstützen.

US-Soldaten der 3. Infanterie-Division hatten etwa 80 Kilometer südlich von Bagdad „erste ernsthafte Feindberührung“ mit den Republikanischen Garden, bestätigte Befehlshaber Will Grimsley. Der Vormarsch bei Basra begann nach Angaben britischer Offiziere bereits am Sonntag mit einem Vorstoß von 600 Mann der Royal Marines. Mehrere britische Soldaten seien verletzt worden. 300 Iraker seien gefangen genommen worden, darunter fünf Offiziere. Die USA stehen nach eigenen Angaben in Kontakt mit mehreren zivilen und militärischen Führern im Irak, um sie zur Aufgabe zu bewegen.

Bagdad war wieder Ziel schwerer Luftangriffe: Am Nachmittag feuerte ein Kampfjet im Tiefflug zwei Raketen ab, die Saddam Husseins Palast der Republik trafen, berichteten Augenzeugen. Am Abend waren erneut mindestens fünf Explosionen zu hören. Erstmals sei auch Artilleriefeuer südlich der Stadt zu hören gewesen, berichteten Journalisten. Das Staatsfernsehen fiel für Stunden aus.

US-Außenminister Colin Powell warnte Iran und Syrien davor, Saddams Regime und dem internationalen Terrorismus zu helfen: „Syrien kann mit der direkten Unterstützung terroristischer Gruppen oder des sterbenden Regimes von Saddam fortfahren, oder es kann einen anderen, hoffnungsvolleren Weg einschlagen.“ Iran müsse sein Streben nach Massenvernichtungswaffen beenden. Das syrische Außenministerium teilte am Montag mit, das Land stelle sich „auf die Seite des brüderlichen irakischen Volkes“.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat zu Spenden für den Irak aufgerufen. In Berlin erklärten private Organisationen, die Menschen im Irak benötigten Medikamente, Lebensmittel und Trinkwasser. Derzeit werde die Hilfe durch die USA behindert. Voraussetzung für die Einreise in den Irak sei eine Genehmigung der US-Truppen in Kuwait. Wieczorek-Zeul plädierte dafür, die UN mit der Koordinierung zu beauftragen. Den Irak forderte sie auf, die Wiederaufnahme des Programms „Öl für Lebensmittel“ nicht zu blockieren.

In der Union mehren sich unterdessen Stimmen, die die Haltung der CDU-Chefin Angela Merkel zum Irak-Krieg kritisieren. Der frühere außenpolitische Sprecher, Karl Lamers, sagte, er verstehe nicht, dass Merkel „sich so vorbehaltlos an die Amerikaner hängt“. Bundespräsident Johannes Rau griff am Montag erstmals direkt und ungewöhnlich scharf US-Präsident George W. Bush wegen des Irak-Kriegs an. Bush unterliege einem „grandiosen Missverständnis“, wenn er von einer göttlichen Mission spreche, die ihn zu diesem Krieg antreibe, sagte Rau dem Sender n-tv.

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