Politik : Briten sind bei der Einführung des Euro noch nicht dabei

Schatzkanzler Brown: Beschluß erst nach nächster Wahl / Unterschiedliche Konjunkturzyklen als Grund genannt LONDON (rtr/tor/HB).Großbritannien wird nach den Worten von Schatzkanzler Gordon Brown nicht zu den ersten Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion (EWU) gehören.Brown sagte am Montag im Parlament in London, die Wirtschaft sei zur Einführung des Euro im Jahr 1999 noch nicht bereit.In dieser Legislaturperiode sei eine Entscheidung über einen britischen Beitritt nicht realistisch.Deshalb sei ein Regierungsbeschluß nicht vor den Wahlen im Jahr 2002 zu erwarten.Zugleich sagte Brown, prinzipiell brächte ein Beitritt dem Land wirtschaftliche Vorteile.Es würden Investitionen und der Finanzplatz London gefördert. -Erst wenn sich die Konjunkturzyklen auf der Insel und dem Kontinent weitgehend angeglichen hätten, wolle Großbritannien der Währungsunion beitreten, betonte Brown. Um die wirtschaftliche Konvergenz mit den wichtigsten Volkswirtschaften auf dem Festland herzustellen, hat Brown der britischen Wirtschaft eine Periode der Stabilität verordnet.Dies mag auf den ersten Blick überraschen, da der Schatzkanzler erst kürzlich vor den EU-Finanzministern in Brüssel stolz darauf hingewiesen hatte, daß Großbritannien die wichtigsten Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrages in diesem und im kommenden Jahr ohne Probleme erfüllen werde.So wird das Haushaltsdefizit nach Voraussage der britischen Regierung 1997 deutlich unter die Schwelle von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken.Die Staatsverschuldung werde 1997 vermutlich bei 53 Prozent und 1998 bei 51,5 Prozent liegen.Der Maastricht-Vertrag erlaubt 60 Prozent.Auf dem Papier scheint also die Konvergenz bereits hergestellt. Tatsächlich weicht jedoch die wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien deutlich von der auf dem Kontinent ab.Die britische Wirtschaft wächst derzeit mit einer Jahresrate von rund 4 Prozent.Deutschland und Frankreich werden nach den letzten Prognosen 1997 kaum über ein Wachstum von 2,5 Prozent hinauskommen.Noch wichtiger für die Briten ist jedoch die Zinsdifferenz.Während die Kernländer in Europa ihre kurzfristigen Zinsen gerade auf 3,3 Prozent erhöht haben, liegt der Basiszins in Großbritannien bei 7 Prozent. Die meisten Analysten rechnen damit, daß die Bank von England aufgrund der heißlaufenden Konjunktur bereits in der kommenden Woche die Zinsschraube weiter anziehen wird.Brown befürchtet, daß bei einem frühen Beitritt zur Währungsunion die wirtschaftliche Entwicklung aus dem Ruder laufen und das Land in eine Rezession stürzen könnte.Selbst wenn die Experten in der City recht haben und die Zinsen auf dem Kontinent in den kommenden Monaten auf etwa 4,5 Prozent klettern, könnte damit, so glaubt der Schatzkanzler, das Wachstum auf der Insel nicht ausreichend gedämpft werden.

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