Politik : Briten streiten über Gesetz zur Sterbehilfe

Matthias Thibaut

London - Die Diskussion über Sterbehilfe spaltet die Briten – und im Unterhaus auch die Labourpartei. Sterbehilfe und Beihilfe zum Selbstmord sind in Großbritannien illegal. Bisherige Versuche, den Rahmen für Sterbehilfe gesetzlich zu definieren, scheiterten – so ein Gesetz über „freiwillige Euthanasie“ und ein anderes über „ärztliche Sterbehilfe“. Der Ärzteverband beharrt auf der klaren Trennung zwischen schmerzlindernden Maßnahmen, die möglicherweise einen beschleunigten Tod zur Folge haben, und gezielter Patiententötung. Vor zwei Jahren wurde der schwerkranken Diane Pretty das Recht abgesprochen, sich von ihrem Ehemann töten zu lassen. Zurzeit steht ein 62-jähriger Ex-Polizist vor Gericht, weil er seine krebskranke Frau auf deren Wunsch getötet hat. Das neue Gesetz würde den Status von Patientenverfügungen im Recht verankern – auch wenn sie lange vor einer Krankheit oder dem Verlust der Kommunikations- oder Zurechnungsfähigkeit gemacht wurden. Es würde den Entzug medizinischer Hilfe erlauben, auch von künstlicher Ernährung.

Der Labour-Abgeordnete Frank Field fürchtet verstärkten Druck auf alte Menschen, „sich selbst auszulöschen“. Damit kritisierte er die Ethikprofessorin Lady Mary Warnock. Die 80-Jährige sagte, sie würde es nicht ertragen, den Menschen zur Last zu fallen. Field dazu in einer BBC-Diskussion: „Das verändert unseren Begriff einer zivilisierten Gesellschaft“. Warnocks Stimme hat Gewicht. Sie leitete die Oberhauskommission, die vor zehn Jahren ein Sterbehilfegesetz ablehnte.

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