Politik : Briten wählen in Erwartung des Machtwechsels

Sieg von Labour bei der Unterhauswahl vorhergesagt / Sicherheitsvorkehrungen in den Wahllokalen verstärkt LONDON (AFP).In Großbritannien wurde am Donnerstag ein Machtwechsel erwartet.Fast 44 Millionen Briten waren aufgerufen, ein neues Unterhaus zu wählen.In letzten Umfragen führte die Labour Party mit einem Vorsprung von zehn bis 20 Prozentpunkten klar vor den Tories von Regierungschef John Major.Es galt damit als wahrscheinlich, daß Labour-Chef Tony Blair am Freitag in den Amtssitz des Premierministers in der Downing Street einzieht.Für den Urnengang waren die Sicherheitsvorkehrungen erheblich verstärkt worden, da Anschläge der nordirischen Untergrundorganisation IRA befürchtet wurden. In der Nähe von Belfast wurden gegen Mittag drei von Katholiken bewohnte Stadtviertel gesperrt, nachdem eine anonyme Bombendrohung eingegangen war.Ein Sprengkörper wurde jedoch nicht gefunden. Unterschiedliche Angaben lagen am Donnerstag nachmittag über die Beteiligung an der Unterhauswahl vor.Aus einigen Bezirken wurde ein starker Zustrom von Stimmberechtigten gemeldet, in anderen war die Beteiligung zunächst eher mäßig.Die Abstimmung in den 45 000 Wahllokalen, bei der ein Machtwechsel in London erwartet wurde, begann um 7 Uhr.Mit ersten Ergebnissen wurde nach der Schließung der Wahllokale 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) gerechnet. In den Umfragen vom Vorabend des Wahltages lag Labour bei 43 bis 48 Prozent der Stimmen.Die Tories kamen demnach auf 28 bis 33 Prozent, die Liberaldemokraten dürften mit 14 bis 19 Prozent als drittstärkste Kraft ins House of Commons einziehen.Selbst im ungünstigsten Fall würde Labour damit auf eine komfortable Mehrheit von 83 Stimmen im Unterhaus kommen.Für die Konservativen war es die schlechteste Vorwahlprognose aller Zeiten. Oppositionsführer Blair gab am Vormittag in Begleitung seiner Frau Cherie und seiner drei Kinder in seinem Heimatwahlkreis Sedgefield im Nordosten Englands seine Stimme ab.Dabei wirkte er entspannt, wollte aber keine Prognosen über den Wahlausgang abgeben: "Jetzt hängt alles vom Volk ab", sagte er lediglich.Labour hat allerdings bereits seit Tagen die Londoner Royal Festival Hall für die Wahlnacht gemietet.Hinweise, daß die Konservativen eine Siegesfeier vorbereiten, gab es nicht. Major, der am Morgen mit seiner Frau Norma in seinem Wahlkreis Huntingdon nahe Cambridge zur Urne ging, zeigte sich trotz der schlechten Prognosen für seine Konservative Partei optimistisch: "Ich bin absolut zuversichtlich." Auch der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, gab gemeinsam mit seiner Frau in seinem Heimatwahlkreis in Yeovil im Südwesten Englands seine Stimme ab.Dabei wurde er von einem Hund gebissen, was er aber nicht als schlechtes Omen auslegen wollte. Aus Furcht vor Sprengstoffanschlägen wurden die Wahlbüros von Sprengstoffexperten und Spürhunden durchsucht, noch ehe die ersten Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.Zu den anonymen Bombendrohungen in Belfast bekannte sich zunächst niemand.Sie waren auch nicht mit einem Codewort einer Untergrundorganisation gekennzeichnet.

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