Politik : Briten wollen Atommüll behalten

Hans Monath[Berlin],matthias Thibaut[London]

Die britische Regierung will den von anderen Staaten zur Wiederaufbereitung gelieferten Atommüll künftig behalten. Allerdings scheidet Deutschland als Partner des Vorhabens aus: Nach der geltenden Geseteslage darf deutscher Atommüll nicht dauerhaft im Ausland verbleiben. Britische Umweltgruppen werfen der eigenen Regierung vor, das Land „zum Atommüllplatz der Welt" zu machen. Hintergrund ist die Kehrtwende der Labourregierung in der Behandlung ausländischen Atommülls, der bei der Wiederaufbereitung in Sellafield anfällt. Bisher war der Rücktransport der aufbereiteten Abfälle in Herkunftsländer Voraussetzung für die Wiederaufbereitung.

Nun hat Handelsministerin Patricia Hewitt auf Wunsch des britischen Wiederaufbereiters BNFL einem „Substitutionssystem“ zugestimmt. Nur die stark strahlenden Abfälle sollen zurückgeschickt, größere Mengen schwächer strahlender Materialien aus der Wideraufbereitung aber im Land verbleiben. Die Lieferanten sollen dafür geringe Mengen stärker strahlendes Material britischer Herkunft übernehmen. So werde die Zahl teuerer Atomtransporte auf ein Sechstel verringert, erklärte ein Sprecher in Sellafield. Die Stahlenbelastung für Großbritannien bleibe unterm Streich gleich, volumenmäßig erhöhe sich die Abfallmenge um nur 1,4 Prozent, erklärte das Handelsministerium.Bisher hatte die Regierung die Substitution abgelehnt, so lange die Zukunft der britischen Langzeitlagerung ungeklärt ist. Dies ist immer noch der Fall.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sagte, die deutschen Transporte nach Sellafield seien faktisch beendet. Von 1. Juli 2005 an seien zudem Transporte in ausländische Aufbereitungsanlagen generell verboten. Auch der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Hermann, sagte dem Tagesspiegel, eine solche Zusammenarbeit mit den Briten sei ausgeschlossen: „Nach deutschem Recht ist das nicht möglich.“

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