Britische Soldaten : Armee verbietet weitere Interviews

Die britische Regierung hat nach starken Protesten weitere bezahlte Erlebnisberichte ihrer Soldaten über Todesängste in iranischer Gefangenschaft gestoppt.

London - Zugleich kündigte Verteidigungsminister Des Browne eine Überprüfung der am Samstag erteilten Erlaubnis an. Sie habe "kein befriedigendes Ergebnis gebracht", sagte der Minister, der die Genehmigung laut Medienberichten selbst mitgetragen haben soll. Die ersten daraus resultierenden Veröffentlichungen in Boulevardzeitungen hatten am Ostermontag bei der Opposition sowie in Militärkreisen und bei Angehörigen von im Irak und Afghanistan umgekommene Soldaten Entrüstung ausgelöst. Sie warfen den Ex- Gefangenen eine "würdelose" Geschäftemacherei vor. Zudem kamen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Berichte auf. Teheran reagierte mit der Ausstrahlung neuer Videoaufnahmen, auf denen die Briten in scheinbar bester Laune zu sehen sind.

Besonders Aufsehen erregend hatte die einzige Frau unter den Ex- Gefangenen in der Boulevardzeitung "The Sun" geschildert, wie sie gefürchtet habe, dass Iraner für sie einen Sarg zimmerten. Unweit ihrer Zelle habe sie Geräusche vernommen, die sich wie das Sägen von Holz und das Hämmern von Nägeln anhörten, erzählte die 26-jährige Faye Turney. Zugleich habe eine Frau ihren Körper vermessen. "Ich war überzeugt, dass sie meinen Sarg bauen."

Erpresste Geständnisse?

Geständnisse vor iranischen Fernsehkameras, wonach die 15 Briten am 23. März illegal in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen waren, seien durch Drohungen mit Gefängnisstrafen zu Stande gekommen. Für Interviews mit der "Sun" und ITV soll Turney nach unbestätigten Berichten 150.000 Pfund (225.000 Euro) erhalten haben. Turneys Vorgesetzter Leutnant Felix Carman, der unter den 15 Gefangenen war, jedoch selbst Geld für Interviews ablehnte, bezeichnete die Honorarzahlungen als "anstößig". Zugleich nahm er die Matrosin in Schutz: "Sie hat das Geld genommen, um die Zukunft ihrer (dreijährigen) Tochter zu sichern."

Der mit 20 Jahren Jüngste unter den Gefangenen sagte der Zeitung "The Daily Mirror" gegen Bezahlung, er habe in seiner Zelle vor Angst "geschrieen wie ein Baby". Die Haft sei ein "Albtraum" gewesen, erzählte der Navigator Arthur Batchelor. Weil er so klein sei, hätten Iraner ihn höhnisch "Mr. Bean" gerufen - nach dem gleichnamigen und ebenfalls kleinen britischen Filmclown.

Iran zeigt neue Videos

Das iranische Fernsehen zeigte bislang unveröffentlichte Videoaufnahmen der Briten, wie sie in der Gefangenschaft Tischtennis und Schach spielen, im Fernsehen ein Fußballspiel verfolgen und zu Abend essen. Die Opposition in London forderte eine Untersuchung zu den bezahlten Interviews. Wenn Soldaten Storys verkaufen dürften, werde "der Respekt für sie verloren gehen", sagte der außenpolitische Sprecher der Konservativen Partei, William Hague.

Die Marine hatte erklärt, es sei "sehr wichtig, die Leute ihre Geschichten in ihren eigenen Worten und über die Medien erzählen zu lassen". Noch wichtiger sei, dies "frühzeitig zu tun, während sie die volle Beratung durch unsere Medienexperten haben". Sally Veck, die Mutter einer im Irak getöteten britischen Soldatin, sagte: "Als Mitglied der Streitkräfte sollte man seine Pflicht erfüllen und nicht erwarten, Geld zu verdienen, indem man Storys darüber verkauft." Bei der "Sun" hieß es, Turney habe das Recht dies zu tun. "Wir sind ein freies Land", erklärte der Militärredakteur der Zeitung, Tom Newton-Dunn. (tso/dpa)

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