Politik : Britische Truppen sollen bin Laden aufspüren

Die nach Afghanistan entsandten britischen Bodentruppen sollen neben der Vorbereitung humanitärer Hilfsaktionen den islamischen Extremistenführer Osama bin Laden aufspüren. Die etwa hundert Elitesoldaten seien "für sehr spezielle Aufgaben" entsandt worden, sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in London. Ihre Aufgabe sei es, bin Laden vor Gericht zu bringen, dessen Al-Qaida-Netzwerk zu zerstören und das Ende der Taliban-Herrschaft in Afghanistan herbeizuführen. Die etwa hundert Royal Marines sollten zudem den Flughafen Bagram im Norden für humanitäre und diplomatische Missionen absichern.

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Am Donnerstag waren in Afghanistan die ersten britischen Bodentruppen eingetroffen. Am Mittwoch mobilisierte London mehrere tausend Soldaten. Sie sollten nach Angaben des Verteidigungsministeriums als Vorhut für ein größeres UN-Kontingent dienen. London hat in der Region rund 4000 Soldaten stationiert.

Am Freitag starteten auch die ersten französischen Soldaten zu ihrem Einsatz nach Afghanistan. Das Pariser Verteidigungsministerium erklärte, der Auftrag der Einheit bestehe zunächst darin, in der Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans einen humanitären Hilfseinsatz vorzubereiten und abzusichern. Die japanische Regierung beschloss am Freitag, die Anti-Terror-Koalition mit 1500 Soldaten, fünf Schiffen und sechs Flugzeugen zu unterstützen. Die Einheiten dürfen gemäß der Verfassung nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sondern sollen an Transporten, Aufklärungsaufgaben und humanitärer Hilfe mitwirken.

Erstmals seit dem Beginn der US-Angriffe auf Afghanistan schlugen vier Streubomben der amerikanischen Luftwaffe auf pakistanischem Staatsgebiet ein. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Islamabad mitteilte, gingen die Bomben auf unbewohntem Gebiet in der halb-autonomen Stammeszone Khurram in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans nieder. Zwei der Bomben seien in der Nähe eines Beobachtungspostens an der Grenze zu Afghanistan explodiert. Dort verschärfte Pakistan seine Sicherheitsvorkehrungen, um eine mögliche Flucht von Osama bin Laden und seinen Anhängern aus der Al-Qaida-Gruppe sowie von Taliban-Funktionären zu vereiteln.

Inoffiziell verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium, dass die USA nun ihre Luftangriffe deutlich verringern und sich stattdessen verstärkt für einen Guerilla-Krieg von Al-Qaida-Terroristen und Taliban rüsten werden. Die Strategie-Änderungen würden bedeuten, dass die Bombardierungen aus der Luft gerade rechtzeitig zum Fastenmonat Ramadan seltener werden, was vor allem Pakistan entgegenkäme.

List statt Stärke

Die ersten britischen Elitesoldaten, die am Donnerstag in Afghanistan eingetroffen sind, gehören zum "Special Boat Service" (SBS) der Elitetruppe "Royal Marines". Diese Soldaten sind auf Anti-Terror-Operationen und Landungen von See her spezialisiert. Ihr Training und ihre Einsätze werden so weit wie möglich geheim gehalten. Sie gehören zu den am besten ausgebildeten Soldaten der britischen Streitkräfte, auch wenn die Elite-Einheit SAS bekannter ist.

Ihr Motto ist "Nicht durch Stärke, durch List". Die Einheit wurde 1940 gegründet, als Großbritannien eine deutsche Invasion befürchten musste. Premierminister Winston Churchill kündigte damals an, im Falle einer militärischen Niederlage würden die Briten notfalls von ihren Kriegsschiffen und Kolonien aus einen Guerillakampf gegen die Nazis führen. Im Laufe des Krieges wurden immer wieder kleine SBS-Gruppen in feindlich besetzten Gebieten abgesetzt. Die Elitesoldaten sprengten unter anderem Tunnel und im Hafen von Bordeaux sogar deutsche Kriegsschiffe. Der heute bekannteste ehemalige SBS-Soldat ist Paddy Ashdown, der frühere Parteichef der Liberaldemokraten.

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