Politik : Britischer Verteidigungsminister Robertson gilt als Favorit für den Nato-Posten

Der Verteidigungsminister Großbritanniens, George Robertson, gilt in Nato-Kreisen als Favorit für die Nachfolge Javier Solanas als Generalsekretär der Allianz. Der britische Premierminister Tony Blair hatte den 53 Jahre alten Robertsons vorgeschlagen. Dies sei in dem Verteidigungsbündnis auf ein positives Echo gestoßen, verlautete am Wochenende aus diplomatischen Kreisen in Brüssel. Vor allem die USA unterstützen den Blair-Vorschlag. Offiziell soll am heutigen Montag bekannt gegeben werden, wer im Herbst die Solana-Nachfolge antritt. Die endgültige Entscheidung auf Ministerebene dazu werde aber voraussichtlich erst im September fallen, sagten Beobachter voraus.

Eine Reihe von Nato-Botschaftern der Mitgliedsländer habe sich bei einem Treffen am Freitag sehr zufrieden über Großbritanniens Vorschlag gezeigt, hieß es in der belgischen Hauptstadt. Diese erste Reaktion sei aber nicht mit den Heimatregierungen abgestimmt worden. Solana habe bisher sehr gute Arbeitsbeziehungen zu Robertson unterhalten, ebenso wie zum deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD), der nicht für den Brüsseler Posten zur Verfügung steht. Solana ist designierter "Mister Europa", der die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union (EU) vertreten wird.

Als mögliche Solana-Nachfolger waren unter anderem der britische Liberale Paddy Ashdown, der ehemalige belgische Regierungschef Jean-Luc Dehaene und der dänische Verteidigungsminister Hans Haekkerup im Gespräch gewesen. Auch Verteidigungsminister Rudolf Scharping war längere Zeit als möglicher Nachfolger genannt worden. Doch Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte kurz vor dem Vorschlag Blairs klar gestellt, dass Scharping endgültig für die Solana-Nachfolge nicht zur Verfügung stehe.

Der Generalsekretär der Nato wird von den Mitgliedsstaaten bestimmt. Er vertritt die Allianz nach außen und vermittelt bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern. Der Generalsekretär sitzt auch dem Nordatlantikrat vor, dem höchsten politischen Gremium des Bündnisses.

An der Nato-Spitze steht ein weiteres Stühlerücken an: Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Oberkommandierende des Bündnisses in Europa, General Wesley Clark, voraussichtlich im April 2000 seinen Platz vorzeitig für den bisherigen stellvertretenden US-Generalstabschef Joseph Ralston räumen wird.

Der britische Premierminister Tony Blair hatte am Freitag Robertson vorgeschlagen und auf "positive Reaktionen" von vielen Nato-Regierungschefs verwiesen. Unter anderem unterstützten US-Präsident Bill Clinton und der französische Staatspräsident Jacques Chirac die Kandidatur.

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