Politik : Browns Rivalen starten eigene Agenda

Christian Tretbar

London - Gordon Brown bereitet sich auf seine parteiinternen Rivalen vor – zumindest physisch. Jeden Tag trainiert er in seinem Urlaub mit einer persönlichen Fitnesstrainerin seine körperliche Robustheit. Die wird er gebrauchen können. Denn seine Gegner haben angekündigt, dass er nur noch bis Ende des Monats Zeit bekommt, seinen Posten als britischer Premierminister zu retten. Die britische Tageszeitung „The Independent“ zitiert ehemalige Minister, die den Putsch zusammen mit Labour-Abgeordneten und Kabinettsmitgliedern um Außenminister David Miliband organisieren sollen: „Viele Joker hat er nicht mehr.“ Eine Kabinettsumbildung und einen Plan, wie er die britische Wirtschaft vor der drohenden Rezession retten will, müsse er schnell präsentieren.

Erwartet wird, dass Gordon Brown eine Art „Reichensteuer“ und eine „grüne Steuer“ für Energieunternehmen, die große Gewinne einfahren, vorschlagen wird. Damit sollen die von den hohen Energiepreisen besonders Betroffenen entlastet werden. Bestätigt sind die Pläne zwar nicht, aber ein Regierungssprecher sagte: „Die weniger Wohlhabenden von den hohen Rechnungen für Energie zu entlasten, hat im Moment Priorität und wir arbeiten eng mit den Energieunternehmen zusammen, um eine sozialverträgliche Lösung zu finden.“ Eine solche Steuer dürfte vor allem als ein Zugeständnis an den linken Parteiflügel gesehen werden.

Die früheren Minister Charles Clarke und Stephen Byers aus dem Lager Blairs haben andere Vorstellungen. Sie kündigten an, Gespräche mit Abgeordneten und Ministern über eine neue politische Agenda zu führen, um das „politische Vakuum“ in Gordon Browns Politik zu füllen. So sollen etwa Mieter von Sozialwohnungen ihre Mietzuschüsse für den Kauf von Wohnungen verwenden, um die aktuelle Immobilien- und Kreditkrise in England abzufedern. Brown reagierte unterdessen auf den zunehmenden Druck, indem er eine Sondersitzung seines Kabinetts einberief – allerdings erst für den 8. September. Christian Tretbar

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar