Politik : Bruder Nummer drei kommt in Kambodscha vor Gericht

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Der Gerichtshof, der die Verbrecher der Roten Khmer in Kambodscha verhandelt, kann erste Erfolge vorweisen. Die Polizei hat den Außenminister der Roten Khmer, Ieng Sary, verhaftet. Ihm werden „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen“ vorgeworfen, wie ein Sprecher des Rote- Khmer-Tribunals in Phnom Penh mitteilte. Sarys Ehefrau Thirith, früher Sozialministerin, sitzt ebenfalls in Haft. Zuvor waren bereits zwei andere mutmaßliche Massenmörder angeklagt worden, der Rote-Khmer-Vize Nuon Chea und Kang Kev Eav, der die Folterstätte S-21 leitete.

Kambodschas Rote Khmer regierten von 1975 bis 1979. Anführer Pol Pot und seine ultramaoistischen Gefolgsleute wollten einen reinen Agrarstaat schaffen. Sie brachten Regimegegner und angebliche Spione in den eigenen Reihen systematisch um. Bis zu zwei Millionen Menschen, etwa ein Viertel der Bevölkerung, kamen unter ihrer Gewaltherrschaft durch Morde, Hunger und Krankheiten ums Leben. Nach langem Streit um Zusammensetzung und Finanzierung nahm vergangenes Jahr in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh ein Rote- Khmer-Gerichtshof die Arbeit auf. Kommende Woche wird Kang Kev Eav, genannt „Duch“, als Erster vor Gericht gestellt. Die Hauptverfahren sollen 2008 beginnen.

Der am Montag in seiner Villa in Phnom Penh verhaftete Ex-Außenminister Ieng Sary, 78, war als „Bruder Nummer drei“ Mitglied des Rote-Khmer-Zentralkomitees und zudem stellvertretender Ministerpräsident. Seine Festnahme hat viele überrascht. Sary hat gute Kontakte zur derzeitigen Regierung Kambodschas, die im Ruf steht, korrupt zu sein. Außerdem hatte Kambodschas König Norodom Sihanouk, der mittlerweile im Ruhestand ist, Sary 1996 Straffreiheit garantiert. Der Historiker Stephen Heder geht davon aus, dass Sary „persönlich für wiederholtes und öffentliches Anregen von Verhaftungen und Hinrichtungen sowie für Massenarrest und Transfer von Außenamtspersonal zu S-21 verantwortlich ist“. Die Folterstätte S-21 ist heute ein Museum. Nur sieben der 12 500 Insassen überlebten. Moritz Kleine-Brockhoff

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