Politik : Brücke zum Westen

Malaysias islamische Regierung öffnet sich – auf Hilfe von außen ist sie nach der Flut aber nicht angewiesen

Ruth Ciesinger

Berlin - Glück im Unglück war das. Während Thailand, der Nachbar im Norden, von der Flutkatastrophe massiv getroffen worden ist, hat Malaysia mit offiziell „nur“ 68 Toten eine relativ kleine Zahl von Opfern zu beklagen. Die Regierung unter Premier Abdullah Badawi plant bereits „Phase zwei“ der Hilfsleistungen, den Wiederaufbau zerstörter Häuser sowie die Reparatur zerschmetterter Fischerboote und kleiner Geschäfte am betroffenen Küstenstreifen. Zudem arbeiten malaysische Hilfskräfte in Thailand und Indonesien bei Bergung und Aufräumarbeiten mit.

Dass Malaysia nicht zu den Ländern gehört, die jetzt international unterstützt werden, liegt aber auch an dessen starker Wirtschaft. Diese hat sich seit der Asienkrise besonders rasch erholt, ausländische Konzerne, unter anderen der Chiphersteller Infineon, investieren zum Aufbau von Produktionsstätten Milliardenbeträge in das Land. Die Flut wird nach Ansicht des Malaysia-Experten Andreas Ufen vom Institut für Asienkunde in Hamburg am stetig wachsenden Bruttosozialprodukt auch nichts ändern. Vielleicht kommen sogar mehr Touristen, die jetzt nicht nach Thailand reisen wollen.

Das Land hat sich seit dem Rücktritt des Regierungschefs Mahathir Mohamad Ende 2003, der rund 22 Jahre an der Macht war, zudem weiter geöffnet. Während Mahathir kurz vor Ende seiner Amtszeit durch antisemitische Parolen und Vorwürfe gegen die „kriegslüsterne europäische Rasse“ von sich reden machte, verfolgt der offizielle „Regierungsislam“ des jetzigen Premiers Badawi eine liberale sowie pro-westlich orientierte Politik und steht für die Integration in den Weltmarkt. Die islamistische Pas-Partei dagegen, die in zwei Provinzen das islamische Strafrecht hatte einführen wollen, erlitt bei den letzten Wahlen herbe Verluste. Vielleicht, sagt Andreas Ufen, kann Malaysia auch zu einer Art Brückenkopf zwischen islamischer und westlicher Welt werden.

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