Brüssel : Ausschreitungen bei Fischer-Protesten

Zerborstene Fensterscheiben, brennende Barrikaden und Steinwürfe auf Polizisten: Europäische Fischer haben am Mittwoch im Brüsseler Europa-Viertel wütend gegen die explodierenden Diesel-Preise demonstriert.

Fischer
Ausschreitungen bei Fischer-Protesten vor EU-Kommission in Brüssel. -Foto: dpa

Brüssel An den zunächst friedlichen Protesten beteiligten sich laut Polizei rund 250 Fischer vor allem aus Italien und Spanien. Eine Anti-Gewalt-Einheit, die die Demonstranten von dem Gebäude der EU-Kommission abschirmte, trieb die aufgebrachte Menge nach der Eskalation auseinander und löschte mit Wasserwerfern brennende Spruchbänder. Der weltweite Anstieg des Erdöl-Preises hat die Fischer hart getroffen: Der Diesel-Kraftstoff für die Schifffahrt ist Zahlen der EU zufolge seit 2004 um 240 Prozent angestiegen.

Mindestens ein Polizist wurde bei den Auseinandersetzungen leicht verletzt. Die Polizei sperrte das Europa-Viertel mit Stacheldraht-Barrieren weiträumig ab und schloss die Bahnstation Brüssel-Schuman. Demonstranten rissen Bürgersteige auf und durchschossen mit Leuchtpistolen Fenster von Gebäuden der EU-Kommission, die zeitweise nicht verlassen werden konnten. In den Straßenschluchten stiegen Rauchsäulen von bengalischen Feuern auf.

"Kleinere, benzinsparende Flotten"

Der Demonstration in der belgischen Hauptstadt waren in den vergangenen zwei Wochen bereits Fischer-Proteste in anderen EU-Ländern wie Italien, Spanien und Irland vorangegangen. In Brüssel waren mehrere tausend Fischer erwartet worden. Hunderte aus Portugal und Spanien seien in ihren Reisebussen aber an der Einreise in die belgische Hauptstadt gehindert worden, berichteten Demonstranten. Eine Bestätigung dafür gab es von den Behörden zunächst nicht.

Eine Delegation von rund 30 Fischern traf mit engen Mitarbeitern von EU-Fischerei-Kommissar Joe Borg zusammen, um ihnen ihre Nöte darzustellen. Die Demonstranten forderten eine Reduzierung der Diesel-Preise um 40 Prozent pro Liter.

Eine Sprecherin Borgs betonte, es gebe "keine kurzfristigen Lösungen" für die Misere. Es müsse eine Strukturveränderung in der Fischerei geben, die den Sektor langfristig überlebensfähig mache, erklärte Kommissions-Sprecher Johannes Laitenberger. Borg hatte in der vergangenen Woche gesagt, die Fischerei habe nur eine Zukunft, wenn die Mitgliederstaaten, die Industrie und die EU zusammenarbeiten, um "kleinere, benzinsparende Flotten" zu bauen. (ck/dpa)

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