Politik : Brüssels Mann für Berlin

Gerhard Sabathil ist neuer Vertreter der EU-Kommission in Deutschland

Albrecht Meier

Der gescheiterte europäische Verfassungsgipfel, die seltsame Briefbombenserie gegen EU-Einrichtungen, der Streit um die Diätenerhöhung für die Europaabgeordneten – es hagelt derzeit schlechte Nachrichten für die EU. Aber Gerhard Sabathil nimmt es gelassen. Der gebürtige Pforzheimer leitet seit vergangenem Freitag die Vertretung der EU-Kommission in Deutschland, und es fällt auf, wie offensiv der 49-Jährige, der sein Büro in Berlin gerade bezogen hat, mit den Kalamitäten der EU umgeht. Die Diskussion um die Beitrittsfähigkeit der Türkei? „Man soll kein Thema wegschieben“, sagt Sabathil. Die Klage der EU-Kommission gegen die Finanzminister im Defizitstreit? „Die Kommission muss um eine Rechtsklärung bemüht sein.“ Von sich aus nennt Sabathil dann noch ein Thema, das in der EU ebenfalls für Gerangel unter den demnächst 25 Mitgliedern sorgen wird: Die Verhandlungen über die künftige Verteilung des Strukturfonds.

Bevor er nach Berlin kam, verkaufte Sabathil in Oslo vier Jahre lang als Botschafter der EU-Kommission für Norwegen und Island das Brüsseler Geschehen in einem denkbar euro-skeptischen Umfeld. So etwas schult im Umgang mit der Öffentlichkeit. „Es war tägliches Brot, mit Negativ-Nachrichten umzugehen,“ erinnert sich Sabathil an seine Osloer Zeit.

Seine Biografie macht es ihm leicht, anderen den Europa-Gedanken zu vermitteln. Sabathils Frau ist Tschechin, drei seiner Kinder haben sowohl die deutsche als auch die tschechische Staatsangehörigkeit. Innerlich hat er die bevorstehende EU-Erweiterung, die in Berlin am 30. April mit einer großen Gala im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt gefeiert wird, schon so gut wie „abgehakt“. Jetzt verfolgt er gespannt, welche Kommissare die zehn neuen Staaten nach Brüssel schicken werden. In sämtlichen neuen Mitgliedsländern sei die Politik dabei auf der Suche nach Persönlichkeiten, die sich auf einen breiten Konsens stützen könnten, hat er beobachtet. Darüber hinaus gilt Sabathils Augenmerk dem Fortgang der EU-Verfassungsdebatte. Er hat die Hoffnung auf eine baldige Einigung noch nicht aufgegeben: „Es wäre wunderbar, wenn wir im Mai eine Lösung haben, mit der wir auch den Europawahlkampf positiv bestreiten können.“

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