Politik : Brutto oder netto – wie die CDU Merkel diskret verbessert

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Berlin Wer die Steuergesetze so vereinfachen will, dass jeder Bürger sie versteht, sollte den Unterschied zwischen brutto und netto kennen. Angela Merkel ist es im ARD-Sommerinterview passiert: Die Unions-Kanzlerkandidatin verwechselte brutto und netto. Glück gehabt, Frau Merkel, könnte man sagen, denn der Lapsus fiel im Gefechtslärm um die Fernsehduelle zunächst nicht weiter auf. Immerhin hat der gleiche Fehler 1994 den SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping zum Gespött der Nation gemacht.

Wären da nicht die Wohlmeinenden in der CDU. Die veröffentlichten auf der CDU-Website „Das Sommer-Interview mit Angela Merkel im Wortlaut“ und riefen damit die politische Konkurrenz auf den Plan. Wer nachprüft, was Ludwig Stiegler von der SPD und die Grünen entdeckt haben, reibt sich die Augen. Zunächst das Original, nämlich die ARD- Website. Da verneint Merkel die Frage, ob die Riester-Rente zur Pflicht gemacht werden muss und begründet: „… und der interessante Effekt, den wir jetzt haben ist ja, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und für die gilt ja die Riester-Rente – die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken.“ Das ist Unfug. Auf der CDU-Website sagt die Kanzlerkandidatin: „Der interessante Effekt ist doch, dass für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und für die gilt ja die Riester-Rente – die Nettolöhne um ein Prozent steigen, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken.“ Das ist richtig. Aber eine Fälschung. Merkel könnte in zwei Fernsehduellen beweisen, dass sie verstanden hat: Es gilt das gesprochene Wort. tib

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