Politik : BSE: Die Insel der wahnsinnigen Rinder

Andreas Frost

Sachte plätscherte das Ostseewasser an die Küste, als das Kalb "Otto" Anfang Januar auf der vorpommerschen Insel Riems aus dem Viehtransporter entladen wurde. Weil seine Oberpfälzer Mutterkuh mit BSE infiziert war, entrinnt Otto dem Bolzenschussgerät. Das Kalb darf leben - im Namen der Wissenschaft. Denn auf dem knapp zwei Kilometer langen halbmondförmigen Landstrich im Greifswalder Bodden will die dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte Bundesforschungsanstalt für Viruskrankeiten der Tiere (BFAV) künftig die BSE-Forschung konzentrieren.

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Auch "Ottos" fünfjährige Tante "Raffel" sowie das Kalb einer BSE-kranken Kuh aus Niedersachsen namens "Pia" sind mit nach Vorpommern gezogen. Schon 1997 war das Kalb "Manfred" von einem BSE-infizierten Muttertier zur Beobachtung auf die Insel gebracht worden. Es sei ein kräftiger Bulle geworden, so BFAV-Präsident Professor Thomas Mettenleiter. "Ottos" Nachbarn werden unter anderem Schweine oder auch Forellen sein, denn seit 1910 werden auf der Insel Tierseuchen und -krankheiten erforscht.

"Otto" & Co. sind der Anfang des geplanten Umzugs des nationalen Referenzlabors für BSE-Diagnostik in Tübingen. Das Labor gehört zur BFAV und soll im Sommer auf Riems die Arbeit aufnehmen. Sieben Wissenschaftler und vier Tierpfleger werden sich künftig um die gesunden Verwandten der BSE-Kühe kümmern. Auf der Insel bekommen sie ihre Ställe, Weiden hat die BFAV auf dem gegenüberliegenden Festland, mit dem die Insel seit 1960 mit einem Damm verbunden ist. Die Forscher hoffen, durch Beobachtung und durch Versuche mehr über die Übertragbarkeit des Rinderwahns von einem Rind zum anderen und von Rindern auf andere Tiere und den Menschen zu erfahren. Mettleitner will unter anderem gesunde Rinder künstlich infizieren, um dem Rinderwahn auf die Spur zu kommen. Zur Bundesforschungsanstalt gehören drei Anstaltsteile mit sechs Instituten. Auf Riems waren bislang die Institute für Molekularbiologie, Virusdiagnostik und für Infektionsmedizin angesiedelt. Am ehemaligen Hauptsitz in Tübingen befindet sich das Institut für Immunologie und in Wusterhausen bei Berlin arbeiten die Institute für Epidemiologie und Diagnostik.

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