Politik : BSE: Erste Hinweise auf BSE-Opfer in Deutschland

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In Deutschland sind zwei Fälle der unheilbaren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufgetreten, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, das es sich um die neue Variante der Erkrankung (vCJD) handelt. Diese gilt als menschliche Spielart des "Rinderwahnsinns" BSE. In Großbritannien, dem Ursprungsland von BSE, sind bereits 88 Menschen an vCJD gestorben.

Stärkstes Indiz dafür, dass es sich tatsächlich um die ersten deutschen Fälle von vCJD handeln könnte, ist die Tatsache, dass die Patienten mit 22 und 40 Jahren relativ jung sind. Die "klassische" Variante von Creutzfeldt-Jakob tritt zu weniger als zwei Prozent bei Patienten unter 60 auf, die neue dagegen bevorzugt Jüngere.

Im Fall des 40-jährigen Patienten teilte Claus Hornig, der ärztliche Direktor des behandelnden Klinikums im hessischen Weilmünster, am Donnerstag mit, dass weder Laboruntersuchungen noch die Krankheitszeichen dafür sprechen würden, dass es sich um die neue Variante handle. Spezialisten aus Göttingen hätten den Mann untersucht und keine Anhaltspunkte für vCJD gefunden. Der Mann war am Mittwoch ins Kreiskrankenhaus Bad Homburg überwiesen worden.

Endgültige Klarheit über die wahre Ursache kann erst eine Gewebeuntersuchung des Gehirns liefern, bei der sich im Falle von vCJD besonders auffällige Eiweißablagerungen (Amyloid) finden. Eine solche Gewebeprobe wird in Deutschland nicht zu Lebzeiten des Patienten entnommen.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, soll es sich bei dem zweiten Patienten um einen 22-Jährigen handeln, der aus der Gegend südlich von München stammt. Auch bei ihm sollen die Krankheitszeichen gegen vCJD sprechen. Typisch für diese neue Variante ist, dass die Krankheit mit einer schweren Depression beginnt und erst danach Bewegungsstörungen (Ataxien) auftreten. Ein Zusammenhang mit der Rinderseuche BSE wurde bei der herkömmlichen Form der Krankheit bisher nicht nachgewiesen. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 1994 bis Ende 1999 wurde in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 369 Patienten die klassische Creutzfeldt-Jakob-Krankheit diagnostiziert.

Die SPD-Bundestagsfraktion forderte unterdessen ein sofortiges Verbot für Tiermehl als Futtermittel. Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke sagte zu, ein Verbot prüfen zu lassen. Ein Ausstieg müsse sorgfältig vorbereitet, Ersatzstoffe müssten gefunden werden. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder befürwortet ein Tiermehl-Verbot.

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