Politik : BSE: Funke will auch Schafe testen lassen

Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) plant, künftig auch Schafe auf mögliche Infektionen mit der Rinderseuche BSE testen zu lassen. Die Kontrolle bei Schafen müsse vorangebracht werden, sagte er. Da Wissenschaftler die Tests empfohlen hätten, halte auch er sie für richtig. Nach Meinung von Wissenschaftlern löst BSE beim Menschen eine meist tödlich verlaufende Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus. Schafe können sich mit der BSE-ähnlichen Krankheit Scrapie infizieren.

Die Ausweitung der BSE-Tests auf Schafe hatte das Robert-Koch-Institut gefordert. "Es besteht überhaupt kein Grund anzunehmen, dass Schafe gegen diese Erkrankung gefeit sein können", sagte dessen Direktor Reinhard Kurth. An sie sei im Wesentlichen das gleiche Tiermehl wie an Kühe verfüttert worden. Die Grünen-Agrarpolitikerin Ulrike Höfken begrüßte die Ankündigung Funkes. Es sei zu befürchten, dass auch Schafe unerkannt an BSE erkrankt seien. Die bisherigen Tests müssten ausgeweitet und neue Verfahren zügig entwickelt werden.

Der Verdacht auf Rinderwahnsinn bei einer Kuh im Landkreis Osnabrück wird sich nach Auffassung von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) vermutlich bestätigen. Drei positiv verlaufene Tests seien ein "hartes Indiz", erklärte Bartels in Hannover. Ende der Woche soll das endgültige Ergebnis vorliegen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssen 273 Tiere geschlachtet werden.

Nach dem ersten BSE-Verdachtsfall bei einer Kuh in Niedersachsen halten die Behörden so genanntes Milchaustauschfutter für neugeborene Kälber für die wahrscheinlichste Ursache der Rinderseuche. Wie schon bei den von BSE betroffenen Tieren in Schleswig-Holstein und Bayern müsse auch die niedersächsische Kuh auf Grund der langen Inkubationszeit kurz nach ihrer Geburt 1996 infiziert worden sein, sagte Minister Bartels. Der betroffene Hof im Landkreis Osnabrück habe seit langem Milchaustauschfutter für junge Kälber von einem Lieferanten aus den Niederlanden bezogen.

Es müsse jetzt mit kriminalistischen Methoden geklärt werden, ob die Bestandteile des Milchaustauschfutters möglicherweise nicht korrekt hergestellte Bestandteile enthalten hätten, wie etwa zu schwach sterilisierte Tierfette, sagte Bartels. Nicht überall in Europa seien Tierfette ausreichend erhitzt worden. "Notfalls müssen wir das Bundeskriminalamt einschalten." Auch die Europäische Kommission sei gefordert, die Ermittlungen zu unterstützen. Niedersachsen wolle sich mit Schleswig-Holstein und Bayern in Verbindung setzen, wo ebenfalls Milchaustauschfutter aus den Niederlanden und aus Italien verwendet worden seien.

Rindfleischhaltige Wurstwaren sind im Zuge der BSE-Krise in Verruf geraten. Das Bundesgesundheitsministerium hatte in der vergangenen Woche eine groß angelegte Rückrufaktion für Wurst gestartet, in der so genanntes Risikomaterial wie Wirbelsäulenfleisch von Rindern, Schafen oder Ziegen verarbeitet wurde.

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