Politik : BSE: Höhn warnt vor Toten

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn befürchtet, dass in Folge der BSE-Krise auch in der Bundesrepublik Menschen sterben werden. Dem Kölner "Express" sagte die Grünen-Politikerin: "Wir müssen damit rechnen, dass wir auch in Deutschland Fälle der neuen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bekommen." Allein in Großbritannien sind bereits mehr als 80 Menschen den Folgen der mit dem Rinderwahn in Verbindung gebrachten tödlichen Hirnerweichung erlegen.

Höhn unterstrich ausdrücklich, dass es bei BSE keine Entwarnung geben könne. Dazu gebe noch zu viele unbekannte Faktoren, sagte die Politikerin. Ungeklärt sei, wie die Ansteckungswege verliefen und wie es zu einer Übertragung auf den Menschen komme. Hierzu gebe es inzwischen Forschungsprojekte. Weil die Behörden in der Bundesrepublik erst seit einem knappen Jahr für mehr Sicherheit gesorgt hätten, sei aber damit zu rechnen, "dass uns die BSE-Problematik noch in den nächsten drei bis fünf Jahren begleiten wird", sagte Höhn.

Zur Tatsache, dass wieder mehr Rindfleisch gegessen wird, sagte Höhn: "Wir haben sehr viel für die Sicherheit beim Rindfleisch getan: Verbot von Risikomaterial, Einführung der Schnelltests, Verbot von Tiermehl und Tierfetten, einen besseren Herkunftsnachweis. Die Verbraucher honorieren das." Am Wochenende hatte EU-Verbraucherkommissar David Byrne vor einer Verharmlosung von BSE gewarnt.

Bereits Anfang August hatten Wissenschaftler die Befürchtung geäußert, in den nächsten 40 Jahren könnten in Deutschland bis zu 400 Menschen an der neuen Creutzfeldt-Jakob-Variante erkranken. Der Münchner Prionenforscher Hans Kretzschmar stellte jedoch rasche Fortschritte bei der Diagnose der Hirnschwammerkrankungen in Aussicht. Auf diesem Gebiet werde "ziemlich schnell ziemlich viel passieren". Eine Therapie der menschlichen Form des Rinderwahnsinns werde jedoch länger auf sich warten lassen.

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