Politik : BSE-Krise: Streit um Spende an Nordkorea

Matthias Meisner

Noch gibt sich das Verbraucherschutzministerium ein paar Tage Bedenkzeit. "Eine offizielle Anfrage aus Nordkorea liegt nicht vor", sagt eine Ministeriumssprecherin zu Berichten, wonach die Regierung in Pjöngjang das Fleisch von 200 000 Rindern aus Deutschland haben will - doch erst die will Renate Künasts Behörde "natürlich prüfen". Der Gründer des Komitees Cap Anamur, Rupert Neudeck, aber streitet schon für den nordkoreanischen Plan: Die Nordkoreaner seien bereit, das Rindfleisch trotz der BSE-Krise zu akzeptieren, wenn die Bundesregierung es zur Verfügung stelle, berichtet er.

Neudeck bringt die deutschen Behörden in Verlegenheit. Denn ganz neu ist die Bitte aus Nordkorea nicht: Schon 1997, noch zu Zeiten der Kohl-Regierung, hatte sich das kommunistische Land um Rindfleisch aus Interventionsbeständen der Europäischen Union bemüht - und damals Unterstützung ausgerechnet bei der CSU gefunden. Deren Abgeordneter Erich Riedl setzte sich beim damaligen Landwirtschaftsminister Jochen Borchert dafür ein, das Projekt "schnellstmöglich" politisch durchzusetzen. Borchert selbst holte sich bei EU-Agrarkommissar Franz Fischler eine Abfuhr: Welternährungsprogramm und Kommission würden für Hilfslieferungen ausschließliche pfanzliche Erzeugnisse, vor allem Reis, empfehlen, berichtete Fischler.

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Ausdiskutiert ist die Sache nicht. Erst vergangene Woche schlug der FDP-Agrarpolitiker Ulrich Heinrich vor, die Fleischvorräte über Konserven für Notgebiete zu verwerten: "Wir können es uns nicht leisten, dass das Fleisch hier vernichtet wird, während dort die Menschen verhungern müssen." Das Entwicklungshilfeministerium gibt sich reserviert.

Deutliche Bedenken hat die Welthungerhilfe: "Reiner Populismus", heißt es dort zur Initiative von Neudeck. Rindfleisch in Nordkorea würde dort womöglich nur den "oberen Zehntausend" zugute kommen, heißt es dort - zudem fehle es an Infrastruktur für die Verteilung. Die Vorsitzende der Organisation, Ingeborg Schäuble, zum Tagesspiegel: "In Hungergebiete schickt man normalerweise kein Fleisch, weil das nicht den Ernährungsgewohnheiten der Menschen entspricht. Massive Nahrungsmittelhilfe kann durchaus auch schädliche Auswirkungen haben."

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