Politik : BSE: Künast lässt Umgang mit Tiermehl prüfen

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Berlin Die Bundesregierung geht nach Warnungen von Verbraucherschützern nun doch möglichen BSE-Folgelasten beim Tiermehl nach. Künast habe die für die Kontrollen zuständigen Bundesländer gebeten, kurzfristig über ihre Aktivitäten bei der von der EU verlangten Tiermehl-Kennzeichnung zu berichten, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch hatte das Ministerium auf Mängel hingewiesen. Sie hält Tiermehlverfütterungen trotz des strikten EU-Verbots seit der vor vier Jahren erstmals in Deutschland aufgetretenen BSE-Seuche nicht mehr für ausgeschlossen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte am 7. Oktober über Lücken in der Statistik und der von der EU verlangten Tiermehl-Kennzeichnung nach drei Gefahrenstufen behauptet. Das werfe Fragen nach dem Verbleib auf, sagte Foodwatch-Veterinärexperte Matthias Wolfschmidt. Aus Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Tiermehlindustrie komme man zu dem Schluss, dass bei einem Drittel von 1,1 Millionen Tonnen die Verwendung nicht nachvollziehbar sei. Es darf als Dünger eingesetzt, nicht aber an Nutztiere verfüttert werden, die als Lieferanten von Fleisch oder für andere Lebensmittel gehalten werden.

Derweil zieht ein EU-Streit über eine Aufhebung des Verfütterungsverbots für Fischmehl an Rinder, Ziegen und Schafe herauf. Ein entsprechender Vorschlag von EU-Verbraucherkommissar David Byrne liege dem Agrarministerrat vor, berichtete „Focus“. Künast will dort ihre Bedenken geltend machen. „Wir sehen das sehr skeptisch“, sagte ihre Sprecherin. Fischmehl gilt als BSE-sicher, darf jedoch seit 2001 wegen des Risikos einer Vermischung mit verseuchtem Tiermehl nicht an Wiederkäuer verfüttert werden. Eine neue mikroskopische Methode soll jetzt bessere Kontrollen ermöglichen.

Bis heute sind in Deutschland nach Angaben des Künast-Ministeriums rund 340 BSE-Fälle registriert worden, 48 davon in diesem Jahr. dpa

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