Politik : BSE: Vorsicht billige Wurst

Angesichts der BSE-Krise haben Experten ein Verzehrverbot für Rinder-Organe wie Lunge und Herz gefordert. "Das sind Risikoorgane, die auf die Rote Liste gehören", sagte der Leiter der Bundesanstalt für Fleischforschung im bayerischen Kulmbach, Klaus Tröger. Bei der Schlachtung der Rinder per Bolzenschuss würden im Gehirn viele Blutgefäße zerstört. Daher könne der BSE-Erreger über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden. Studien in Großbritannien hätten belegt, dass Lunge und Herz auf diese Weise infiziert werden könnten.

Zugleich warnte Tröger vor dem Verzehr von billigen Brüh- und Kochwurst-Konserven sowie Leberwürsten und Leberkäse in Dosen. Bis zum 1. Oktober sei es erlaubt gewesen, für diese Produkte so genanntes Separatorenfleisch zu verwenden. "Das ist mechanisch vom Knochen entferntes Restfleisch, bei dem auch Rückenmarkreste mit abgepresst werden", sagte der Experte.

Wirbelknochen dürften zwar seit dem Stichtag nicht mehr verwendet werden. "Aber Konserven und Gläser mit Würsten sind weiterhin im Verkauf", warnte Tröger. Er empfahl den Verbrauchern, Konserven mit Würsten zu meiden und nur qualitativ hochwertige Waren zu kaufen. "Bei teuren Produkten ist der Verbraucher auf der sicheren Seite. Ich würde den Metzger meines Vertrauens vorziehen."

Der Experte forderte außerdem neue Schlacht-Methoden. Die Teilung der Rinder-Körper in zwei Hälften sei nicht mehr zeitgemäß. "Dabei wird das Rückenmark entzwei geschnitten, und BSE-Erreger können überall hin gelangen." Auch dürfe der Bolzenschuss nicht mehr angewendet werden. "Er stellt ein erhebliches Risiko für den Verbraucher dar", kritisierte Tröger. Das Institut arbeite zur Zeit an einer Schlachtmethode per Laser. Dabei werde das Tier mit einem Hochenergie-Laser von mehr als 1000 Watt getötet. "Binnen weniger Sekundenbruchteile ist das Tier unblutig tot."

Der Abteilungsleiter in der Bundesanstalt für Fleischforschung, Klaus Tröger, hat darauf hingewiesen, dass Wurstwaren auch dann Rindfleisch enthalten können, wenn sie eine andere Bezeichnung haben wie zum Beispiel Putenwurst. Dies liege an der Kennzeichnungsverordnung. Im ARD-Morgenmagazin sagte Tröger: "Die Sachen sind ja nicht von heute auf morgen verändert worden. Die Kennzeichnungsverordnung gibt es schon seit langer Zeit. Wenn man eine Kalbsleberwurst kauft, ist dort auch nicht ausschließlich Kalbfleisch verarbeitet."

Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) sieht weiterhin keinen Anlass, den Verkauf bestimmter Wurstsorten und Fleischwaren zu stoppen. Auch neue Überprüfungen hätten ergeben, dass in Wurst aus Deutschland keine Materialien mit einem erhöhten BSE-Risiko verarbeitet würden, sagte Fischer im Deutschlandfunk. Dem EU-Gesundheitskommissar David Byrne warf sie Verwantwortungslosigkeit vor. Mit seiner Forderung, bestimmte Wurstwaren aus den Verkaufsregalen zu räumen, habe er die Verbraucher nur verunsichert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben