Politik : BSE: Weiterer Fall in Frankreich

In Frankreich ist die Zahl der Fälle von Rinderwahnsinn am Donnerstag weiter gestiegen. Die landwirtschaftliche Kammer des südfranzösischen Departements Tarn gab den neuen Fall bekannt. Die nahe der Stadt Albi entdeckte Milchkuh war nach Angaben des Züchters 1994 geboren und nur mit natürlichen Produkten gefüttert worden. Am Vortag waren drei neue Fälle von Rinderwahnsinn bekannt geworden. Damit sind seit Jahresbeginn in Frankreich 93 BSE-Fälle entdeckt worden - 173 seit dem Auftreten von BSE in Frankreich im Jahr 1991.

Agrarminister Jean Glavany erklärte demonstrativ: "Meine Kinder und ich, wir essen weiter Rindfleisch. Es gibt keinen Grund für eine Psychose". Vom Speiseplan zahlreicher Schulkantinen ist Rindfleisch schon seit Tagen gestrichen. Bislang ist nicht auszuschließen, dass die Rinderseuche BSE beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst.

Angesichts der stark nachlassenden Nachfrage an Rindfleisch wollen die französischen Landwirte über die kommende sieben bis acht Jahre das Fleisch mehrerer Millionen älterer Rinder vom Markt nehmen. Die Maßnahme betrifft entgegen ersten Angaben nicht 1,3 Millionen, sondern fast fünf Millionen Rinder, die vor dem 15. Juli 1996 geboren worden sind. Damals waren strikte Maßnahmen im Kampf gegen Rinderwahnsinn in Kraft getreten. Nach Angaben der Zeitung "Libération" bezifferte Agrarminister Glavany die Höhe der vom Staat voraussichtlich zu leistenden Entschädigungszahlungen auf zwölf bis 18 Milliarden Franc (3,6 bis 5,4 Mrd DM).

Der EU-Verbraucherkommissar David Byrne bezweifelte, dass der Abzug der französischen Rinder vom Markt die Sicherheit der Verbraucher verbessern werde. Byrne erklärte, es gebe in der EU nur sieben Fälle von Rinderwahn pro einer Million Kühe.

Die spanische Regierung hatte zuvor ein Einfuhrverbot für Zuchtrinder aus Frankreich und Irland erlassen. Das Landwirtschaftsministerium in Madrid teilte mit, die Regelung sei aufgrund der jüngsten Fälle der Rinderseuche BSE getroffen worden und beziehe sich nur auf Importe von lebenden Tieren, die älter seien als 20 Monate.

Eine Sprecherin des spanischen Landwirtschaftsministeriums erklärte, das Einfuhrverbot betreffe nur die älteren Tiere, weil das jüngere Vieh bereits mit zehn bis zwölf Monaten geschlachtet werde. In diesem Alter könnten diese Tiere aber noch kein BSE entwickelt haben.

Unterdessen klagt die französische Fleischindustrie über hohe Exporteinbrüche. Deutschland etwa führe derzeit keine Markenrinder mehr aus Frankreich ein, gab der Leiter des französischen Fleischgroßhandels, Laurent Spanghero, am Donnerstag an. "Der Markt ist so gut wie verloren."

Die Schweiz will offenbar Blutspender aus Großbritannien künftig nicht mehr zur Spende zulassen. Die Zeitung "Weltwoche" berichtete vorab, dass ein Regionalzentrum in Luzern bereits zehn potenzielle britische Spender abgewiesen habe, um dem Risiko einer Übertragung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) zu begegnen.

In Großbritannien kam eine Untersuchungskommission zu dem Ergebnis, das Fleisch von erkrankten Rindern sei der einzige Faktor, der alle Fälle der neuartigen Variante von CJD verbinde. Die Untersuchungskommission untersucht den Tod von fünf Menschen im mittelenglischen Queniborough. Die Dorfbewohner waren in den vergangenen Monaten an der neuen Variante von CJD gestorben. Die Krankheit gilt als menschlichen Form von BSE.

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