Er verlangt sie ja auch. Das ist die andere Seite. Peer Steinbrück ist bestimmt keiner, der eine Abfuhr so einfach hinnimmt. Dafür will er viel zu sehr auch richtig gesehen werden, in seiner An-und-für-Sichlichkeit anerkannt sein. Darin ist er sogar härter als der harte Junge Schröder. Widerstand? Muss gebrochen werden. Zögern gilt nicht. Handeln zählt. Da kann er leidenschaftlich werden, das hat er doch allen gezeigt, mehrmals jetzt, auch im Fernsehen. Ablehnung? Muss überwunden werden. Schnell, denn er verliert ungern Zeit, prinzipiell und momentan schon gar nicht: Ihr könnt mich alle mal – kennenlernen.
Ihn kennenlernen, das ist ein Lernprozess. Er tut immer das, was er als seine Pflicht ansieht, und dann plötzlich das, was man von ihm überhaupt nicht erwarten würde. Das ist auch eine, seine Form von Humor. Er findet das lustig und sagt es auch. Er macht sich angreifbar und spielt damit: Seht her, so offen bin ich, schlagt mich doch, wenn ihr könnt. Aber ihr könnt mich nicht treffen, nicht wirklich, nicht ihr. So ist ein Herausforderer, der weiß, dass er gewinnen muss. Möglichst. Unentschieden reicht nicht. Und unentschieden, das passt sowieso zu einem Steinbrück nicht.
Seine Frau hat ihn verletzlich gezeigt
Seine Frau, die trifft ihn wirklich. Das hat man auch gesehen, öffentlich und im Fernsehen. Ein Gespräch auf offener Bühne, sie redet über ihn. Und landet einen Wirkungstreffer, sozusagen – der ihm nicht geschadet hat. Ironischerweise, und das passt vollkommen zu den Steinbrücks, hat es ihm sogar geholfen, zu sich selbst zu finden, mehr er selbst zu sein, unverstellter.
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Dahinter, weit hinter allen Fassaden ist ziemlich sicher der Wunsch gut verborgen, gemocht, ja, geliebt zu werden. Sein nach außen zur Schau getragenes Ego ist der erste Teil der Fassade. Da muss ihn keiner ermutigen, keiner sein Ego streicheln, erst recht kein Mann, das würde er sich verbitten. Direktheit ist ihm lieber, die gerade Schilderung eines Sachverhalts, ehrlich. Er hat doch Haare auf der Brust und trägt kein Unterhemd.
Aber ihn selbst, ohne jede Fassade, zu würdigen, heißt, seine Seele zu touchieren. Und so ist es dann gekommen: Seine Frau hat ihn in aller Öffentlichkeit, in aller Ehrlichkeit als verletzlich gezeigt. Sie hat damit vielen eine neue Seite offenbart. Ein Missgeschick? Wer weiß, aber trotzdem dann auch wieder eines, das ihn in seiner Zähigkeit herausgefordert hat, von vorne zu beginnen. Denn auch darin soll ihn niemand toppen, nicht wahr? Der Beifall für ihn war nie größer als in diesem besonderen Moment. Bis dahin. Danach kam das Fernsehduell, die Wahlkampfarena, die Fotostrecke mit dem Mittelfinger.
Was heißt das eigentlich, cool? Also Steve McQueen war cool, war eine Ikone der Coolness, als Peer Steinbrück noch jung war. Ganz besonders im Drama „Bullitt“, was gesprochen wie „bullet“ klingt, Geschoss. Jahrzehnte ist das her, 1968. Unvergessen an dem Film: seine ewig lange Verfolgungsjagd. Das passt alles, oder? Es würde ihm als Analogie natürlich gefallen. Steve McQueen schaut auch immer grimmig.
So gesehen heißt cool: gelassen, kühl, souverän, kontrolliert, nicht nervös. Und im heute jugendlichen Sinn? Heißt es so viel wie geil, schön, angenehm, erfreulich und vor allem lässig.
Was für ein Bild von ihm kann man sich anhand dessen jetzt machen! Und dazu noch die jüngsten Fotos von ihm. So lässt sich Peer Steinbrück erklären. Man kann ihn bewerten wie er mit seiner Pose Angela Merkel, auf einer Skala von eins bis zehn: Lässig? Kühl? Verbissen?
Aber auf seine letzte Pose, die nach der letzten Minute am Abend des 22. September, wenn dieser Kampf vorüber ist, auf die darf man gespannt sein.
- Das Ich entscheidet den Wahlkampf
- Die Wucht seiner Schläge wirft ihn beinahe selbst um
- Er tut das, was man nicht erwartet. Auch eine Art Humor

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