Wahlbeteiligung : "Viele sind dafür ja zu blöd"

Politiker und Parteien sorgen sich um die Wahlbeteiligung am 22. September. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat jetzt eine Reihe von Videos ins Netz gestellt, in denen Prominente Wahlmuffel vom Mitmachen überzeugen wollen. Einige sind ganz lustig.

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Viele Werbung, wenig Beteiligung? Eine Plakatwand in Hessen.
Viele Werbung, wenig Beteiligung? Eine Plakatwand in Hessen.Foto: dpa

Die Bundestagswahl 2009 war der Tiefpunkt. Gerade mal 70,8 Prozent der Wahlberechtigten machten vom ihrem Grundrecht Gebrauch und gingen wählen. 2005 waren es noch rund sieben Prozent mehr, bei der Abwahl Helmut Kohls im Jahr 1998 beteiligten sich sogar 82 Prozent. Der Höhepunkt liegt schon etwas zurück. Bei der Bundestagswahl 1972 bescherten 91,1 Prozent der Wahlberechtigten der SPD ihren größten Erfolg ihrer Geschichte - Willy Brandt zog ins Bundeskanzleramt ein.

Daran würde die SPD gerne anknüpfen. Die Sozialdemokraten, die 2009 auf 23 Prozent kamen, haben rund vier Millionen Wähler verloren - auch, weil die einfach gar nicht wählen gingen. CDU und CSU befürchten hingegen, dass ihr Vorsprung in den Umfragen viele Anhänger verleitet, nicht ins Wahllokal zu gehen. Motto: Alles schon gelaufen. Grundsätzlich stärkt eine geringe Wahlbeteiligung relativ die kleinen Parteien. Denn deren Anhänger sind in der Regel stärker motiviert, ihre Partei zu wählen. Das gilt dann auch für extremistische Parteien wie die NPD.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat nun eine Schar von Prominenten gewonnen, um für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung zu werben. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale, sagt: "Jede originelle Wahlberichterstattung vor der ersten Hochrechnung ist eine Chance, Wahllust zu wecken - und damit ein Quotenbringer für die Demokratie." Kabarettist Ingo Appelt wundert sich zum Beispiel darüber, dass es den Deutschen möglich sei, aus mehr als fünf Millionen Biersorten auszuwählen, sie bei Wahlen aber immer häufiger nicht auswählen. "Viele sind dafür ja zu blöd", kommentiert er bissig.

Die geringste Wahlbeteiligung gab es 2009 bei den 21- bis 24-Jährigen. Nur knapp 60 Prozent der Berechtigten nutzten ihr Stimmrecht. Ganz anders sieht es bei den Senioren aus. 80 Prozent der 60- bis 69-Jährigen gingen wählen. Hier finden Sie alle Videos.

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