Buch-Rezension : „Stephen Bannon - Trumps dunkler Einflüsterer"

Verurteilen statt verstehen: Einer neuen Biographie über Steve Bannon fehlt die nüchterne Distanz zu Trumps ehemaligem Chefstrategen.

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US-Präsident Donald Trump und sein ehemaliger Chefstratege Steve Bannon bei einem Treffen zur Cyber-Sicherheit im Weißen Haus. Foto: Evan Vucci/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump und sein ehemaliger Chefstratege Steve Bannon bei einem Treffen zur Cyber-Sicherheit im Weißen Haus.Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Das Wichtigste steht auf der zweiten Seite, noch vor der Inhaltsangabe – „Redaktionsschluss: 1. Juli 2017“. Zu der Zeit saß Stephen Bannon noch im Weißen Haus und galt als einflussreicher Schattenpräsident. Inzwischen ist er gefeuert und kann nur noch mit Hilfe seines Online-Portals Breitbart auf die Trommeln hauen. Das lässt viele Passagen dieser Biographie doch recht alarmistisch klingen. Bannon sei der „Terrorist im Weißen Haus“, kenne „nur einen Ausweg aus der Krise: den Krieg“, er könne „bedrohlicher sein als der Präsidentendarsteller selbst“, sei ein „notorischer Bellizist“.

Das mit der Kriegslust stimmt übrigens nicht. Geschasst wurde Bannon ja vor allem, weil er gegen die martialische Rhetorik seines Chefs in Richtung Nordkorea und gegen die Truppenaufstockung in Afghanistan war.

Dennoch: Das Buch von Tilman Jens ist flüssig geschrieben, schildert die wesentlichen Etappen im Leben Bannons, erfasst dessen ideologische Prägungen durch die Armee, durch Goldman Sachs, durch Hollywood, 9/11 und die Finanzkrise.

Es ist eine verdienstvolle Fleißarbeit. Was aber den Gesamteindruck trübt, ist das Gefühl, dass Jens das Objekt seiner Analyse in erster Linie verurteilen statt verstehen will. Die Gründung der Tea Party etwa, der sich Bannon verbunden fühlt, ist ohne die emotionalen Erschütterungen infolge der Finanzkrise nicht erklärbar. Der Hass auf die Wall Street, auf die Regierenden in Washington, die Bankenpleiten mit Steuergelder verhinderten: Warum in dieser Zeit die Systemfrage gestellt wurde, wird ausgeblendet. Ebenso wenig tiefenbeleuchtet bleibt die Wut über das Debakel in Nahost durch Afghanistan- und Irakkrieg. Bannon mag böse sein, aber das Böse wurde durch Ereignisse geformt, die viele Amerikaner ihre Fäuste haben ballen lassen. Am Ende dieser Entwicklung stand immerhin Trumps Wahlsieg.

Das Buch als Tweet: Wer zu spät kommt, den bestraft der Hamster im Rad der Geschichte #Breitbart #Bannon #Trump

Wen das interessiert, der könnte auch lesen: Konversionen - Erzählungen der Umkehr und des Wandels (gesammelte Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität)

Tilman Jens: Stephen Bannon – Trumps dunkler Einflüsterer, 191 Seiten, Wilhelm Heyne Verlag, München 2017, 15 Euro

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