Politik : Buch zum Rentenalter

Teufel denkt mit 65 Jahren noch nicht ans Aufhören

Reiner Ruf[Stuttgart]

Am Samstag feiert der baden-württembergische Regierungschef Erwin Teufel seinen 65. Geburtstag, weshalb er zu einem „schlichten Bürgerempfang“ ins Neue Schloss nach Stuttgart einlädt. Anders als zum 60. soll es diesmal keinen Staatsakt geben. Keine Reden, kein Programm, wer immer ihm gratulieren möchte, kann dies tun. Es werden viele sein, wie man hört, Spielmannszüge und Bürgerwehren rücken an, schließlich ist Teufels Mann in Berlin, der Minister Rudolf Köberle, Präsident des Blasmusikerverbandes. Auch Präsente mag Teufel keine annehmen, wer etwas geben möchte, lässt er ausrichten, soll es einer Hilfsaktion im Sudan widmen.

Ein Geschenk indes hat der Jubilar am Mittwoch entgegengenommen: seine Biografie, geschrieben von zwei Journalisten der „Stuttgarter Zeitung“, die bei der Recherche diesem „etwas anderen Politiker“ immerhin so nahe kamen, dass ihnen der Bauernsohn aus Zimmern ob Rottweil Gedichte seiner Mutter offenbarte. Bei einem so verschlossenen Mann ein erstaunlicher Akt.

Dennoch ist nicht gewiss, ob Erwin Teufel Freude empfindet an diesem Buch. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe, den einen nennt er bei der Präsentation im Staatsministerium selbst. Es handle sich keineswegs um eine Autobiografie, sagt er. Die Deutungshoheit über sein Tun und seine Person liegt nicht bei ihm. In diesem Sinn ist er „nicht das handelnde Subjekt, sondern das Objekt“. Nicht Subjekt zu sein, dass ist nicht leicht für einen, der gewohnt ist, Banken zu fusionieren oder Verwaltungsreformen anzuordnen, und der im vierzehnten Regierungsjahr wohl gerne annimmt, subjektives Wollen und objektives Erfordernis in seiner Person aufs Schönste verschmolzen zu haben.

Der zweite Grund ist, dass das Buch wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag auf den Markt kommt. Das mag den Absatz fördern, richtet die Aufmerksamkeit jedoch zusätzlich auf jene Zahl, die immer noch den Eintritt ins Rentner- oder Pensionärsdasein markiert. Der 65. Geburtstag, sagt Ulrich Frank-Planitz, Verleger des Buches, vorsichtshalber, sei ein „Beamtendatum“ und daher ungeeignet, das Wirken eines Politikers wie Teufel zu begrenzen. Tatsache aber ist, dass viele in der Südwest-CDU von ihrem Parteichef und Ministerpräsidenten ein Signal erhoffen, wie lange er sich noch aktiv ins kollektive Gedächtnis seines Bundeslandes einzugraben gedenkt. Ein beträchtlicher Teil in der Union wünscht gar seinen Abschied. Kommt der bald, wäre das schlecht für den Erfolg der Biografie. „Ich hoffe“, sagt Teufel bei der Präsentation, „dass der Verlag kein zu großes Risiko eingegangen ist.“

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