Politik : Buchverlage fürchten Kostenlawine

Maxi Leinkauf

Berlin - In Buchverlagen stößt die Absicht mehrerer Zeitungsverlage, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, auf Unmut. Sollte dadurch auch die Politik bewogen werden, die Reform der Rechtschreibung rückgängig zu machen, werden Ausgaben in beträchtlicher Höhe erwartet. Der Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, warnte vor einer Kostenlawine bei den Schulbuchverlagen im Fall einer radikalen Umstellung.

Hannelore Ohle-Nieschmidt, Sprecherin des Stuttgarter Klett-Verlags, sagte dem Tagesspiegel am Sonntag: „Eine Umstellung würde uns 45 Millionen Euro kosten, da sind die Wörterbücher noch nicht dabei. Die Fehldrucke beliefen sich auf 35 Millionen Euro.“ Sie forderte eine schnelle Entscheidung, „denn die Handlungsunsicherheit lähmt und treibt die Kosten in die Höhe“. Lehrer kauften zudem keine neuen Bücher, „solange man nicht weiß, wie es weitergeht“. Auf die Kommunen kämen hohe Kosten zu, wenn neue Bücher angeschafft werden müssten.

Laut Irina Pächnatz, Sprecherin des Cornelsen-Verlags in Berlin, würde eine Umstellung pro Titel 10 000 Euro kosten – „bei 3000 Titeln wären das um die 30 Millionen Euro. Wir sehen nicht ein, die zu investieren, denn vor sechs Jahren haben wir schon viel Geld investiert.“

Rino Mikulic vom Verband der Schulbuchverlage rechnet mit 60 Millionen Euro Umstellungskosten allein bei Schulbüchern. „Und dann gibt es die Bücher im Lager, ganze Klassensätze. Die wären nutzlos und bedeuteten im Zweifelsfall einen Verlust von 200 Millionen.“Er zeigte soich verärgert über den Vorstoß der Großbverlage. „Man kann nicht im Sechs-Wochen-Takt die Rechtschreibung ändern. Und es wäre ja noch schöner, wenn die „Bild“-Zeitung nun die Instanz für die deutsche Rechtschreibung wird."

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